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Die vergessene Straße

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Günter Gartenmaier legt eine erfrischende Offenheit an den Tag. Der Baudirektor redet nicht lange um den heißen Brei herum, sondern kommt rasch auf den Punkt. Die L 1051 zwischen Neufels und Kemmeten soll 2015 saniert werden. Im Bestand. Ein Ausbau kommt - wie für alle Landesstraßen im Hohenlohekreis - bis 2025 nicht in Frage. "Ich bin ziemlich ratlos, was dort vernünftigerweise zu tun ist", erklärt der Leiter des Baureferats Nord beim Regierungspräsidium gestern vor dem zuständigen Ausschuss des Kreistags.

 

Verzwickt


Die völlig kaputte Straße, auf der in Richtung Künzelsau ein Lkw-Verbot herrscht und ein generelles Tempolimit von 50 Stundenkilometern gilt, ist ein Musterbeispiel für die verzwickte Lage, in der sich Gartenmaier und sein Planungsteam seit Monaten befinden. Die Strecke ist so schlecht, dass sie dringend ausgebaut werden müsste. Alles andere macht keinen Sinn. Doch die politische Vorgabe aus Stuttgart lautet: Mehr als sanieren ist nicht drin.

Das stellte der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann bei einem Vor-Ort-Termin Anfang August nochmals klar. Doch selbst eine Straßensanierung ist weit interpretierbar. "Mit 30 Euro pro Quadratmeter wurde uns ein enger Rahmen auferlegt", sagt Gartenmaier. "Wir sollen möglichst viele Strecken oberflächlich gut aussehen lassen und nicht hochkarätig in die Tiefe sanieren." Oder, etwas flapsiger ausgedrückt: "Drei bis vier Zentimeter runter fräsen, Tapete drauf und zumachen - habe fertig."

Was dies für die L 1051 bei Kemmeten bedeutet, können sich sogar Laien ausmalen: Wird die Holperstrecke nur kosmetisch geflickt, ist sie bald wieder ein Sanierungsfall. Kurios: Die Planung für einen Ausbau ist längst fertig - "wir dürfen sie aber nicht verwirklichen". Irgendwann fiel die Strecke "durch den Rost". Wurde vergessen. Verschwand im straßenbaulichen Niemandsland. "Weil die Entwässerung nicht funktioniert, müsste die Strecke um 1,50 Meter angehoben werden und durchgehend breiter sein." Mit der bestehenden Trassenführung sei keine dauerhafte Verbesserung möglich. "Wir sind sehr unsicher, was wir tun dürfen und sollen."

 

Verwundert 


Gartenmaiers Team muss das ausführen, was die grün-rote Landesregierung beschlossen hat. Das nagt an ihm, man spürt es immer wieder. Die Bewertung des Straßenzustands? "Das kann ich nicht ganz nachvollziehen." Die Prioritätenliste? "Schauen Sie lieber nicht so genau hin, sonst wird Ihnen schwindelig." 30 neue Stellen für sein Baureferat in 2014? "Das bringt nichts. Auf dem Markt sind ja gar keine Bauingenieure zu finden." 


 

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