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Weit gereister Praktikant

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Stephen Mirembe (34) ist ein Praktikant mit Seltenheitswert in Hohenlohe: Bisher gibt es kaum ausländische Hospitanten, die bei niedergelassenen Ärzten reinschnuppern dürfen, erklärt die Kreisärzteschaft. Mirembe möchte sich weiterbilden. Er hat dafür 5900 Kilometer auf sich genommen. Aus Uganda in Ostafrika ist er in die Hautarztpraxis von Dr. Michael Häberle nach Künzelsau gekommen. Der Grund: Sein Heimatland braucht dringend Dermatologen.

Uganda hat rund 35 Millionen Einwohner. Doch es gibt nur zwei Hautkliniken im ganzen Land: in Mbarara und an der Universität Gulu. In diesen Hautzentren arbeiten fünf ausgebildete Dermatologen. Mirembe ist einer der wenigen ugandischen Fachärzte in Ausbildung. "Ich und ein Kommilitone sind momentan mit Fördermitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Deutschland, um Praxiserfahrung zu sammeln", sagt er. 

 

Unterversorgung


Uganda ist chronisch unterversorgt, weil das Gesundheitssystem unwirtschaftlich ist. In der Ärzteausbildung gibt es einen klaren Kurs: In Mediziner wie zum Beispiel Chirurgen wird mehr Geld und Zeit investiert, berichtet Mirembe. "Ich habe den Bedarf in meinem Land gesehen und mich dann entschieden, Arzt mit der Spezialisierung Dermatologie zu werden", erzählt der 34-Jährige.

Über die Universität Heidelberg kam der Kontakt nach Künzelsau zustande. Nun hospitiert Mirembe bei Hautarzt Häberle. Der Doktorand der Universitäten Heidelberg und Mbarara lernt nun schon zum zweiten Mal, wie sein deutscher Kollege Patienten behandelt, Diagnosen stellt und operiert

Im Juli war Mirembe bereits für eine Woche in Häberles Praxis. Im Januar ist sein letzter, kurzer Arbeitsaufenthalt geplant. Eineinhalb Jahre hat der Ugander dann in Deutschland verbracht. In einem Deutsch-Crashkurs bekam er die Sprache vermittelt. "Im Februar promoviere ich in Heidelberg und werde auch an der ugandischen Universität mein Studium beenden." 

Dann will Mirembe sein Wissen und die Praxiserfahrung aus Deutschland an der Universität Mbarara weitergeben. "Ich lerne in Deutschland einiges über verschiedene und sehr helle Hauttypen. Hautkrebs ist hier ein größeres Problem als in meiner Heimat. Mein Wissen über europäische Hautkrankheiten will ich an zukünftige Studenten weitergeben." In seinem Heimatland liegt die Hauttönung auf der Skala bei dem Wert sieben, in Deutschland seien die meisten Menschen Hauttyp zwei. 

 

Alltagskrankheiten


An der Universität bekommt Mirembe immer nur hoch spezialisierte Fälle zu sehen – Alltagskrankheiten hingegen sind nur in einer Praxis wie bei Doktor Häberle zu finden. Haut-Operationen und Ekzeme an der Hand interessieren den angehenden Arzt am meisten. In Uganda seien Infektionskrankheiten der Haut sowie Parasiten ein Problem. "Darüber habe ich von ihm im Gegenzug einiges gelernt", erzählt der alt eingesessene Hautarzt Häberle. Mirembe kann sich auch vorstellen, irgendwann eine Praxis in Uganda aufzumachen.

Deshalb beobachtet er ganz genau, wie der niedergelassene Arzt Häberle seine Arbeit organisiert und managt. Und wie gefällt es dem Mann, der sonst nahe am Äquator wohnt, in Künzelsau? "In Uganda ist es viel einfacher, Leute kennenzulernen. Aber Deutschland und die Region hier sind erfrischend, weniger warm und wie Urlaub für mich", sagt er und lächelt. 


 

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