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Er ist fleißig, zuverlässig und pünktlich: Eigenschaften, die sich eigentlich die Deutschen auf die Fahnen geschrieben haben. Lamin Ceesay kommt aus Gambia. Seit Jahresbeginn wohnt der 41-Jährige in Oedheim und arbeitet aus eigenem Antrieb und bei jedem Wetter an drei Tagen in der Woche beim Bauhof mit.

Freitags ist er dafür zuständig, rund um die Kochana für Sauberkeit zu sorgen. Montags und mittwochs ist er auf dem Schulhof und den Parkplätzen der Kochertalschule im Einsatz. "Top", beurteilt Thomas Feeser, neben Ralf Dominke einer der beiden Betriebsmeister, die in der Regel selbständig ausgeführte Arbeit des Westafrikaners. "Er hilft uns sehr. Zum Kehren hätten wir gar keine Zeit."

 

Familienvater


"Solange ich hier bin und die Gemeinde so gut für mich sorgt, ist das das einzige, was ich beitragen kann", erklärt der dreifache Familienvater in gutem Englisch. Er ist als einer von derzeit noch sechs Asylbewerbern gemeinsam mit zwei anderen Afrikanern in einem älteren Haus der Gemeinde untergebracht und ergänzt: "Das ist, woran ich gewöhnt bin. Ich kann nicht einfach rumsitzen."

2011 floh er in das Nachbarland Senegal und erreichte Europa per Flugzeug. Von Paris ging er nach Dortmund und stellte einen Asylantrag "aus politischen Gründen". Von dort wurde er nach Karlruhe geschickt und lebte anschließend zwei Jahre in Heilbronn. Lamin Ceesay war in seinem Heimatland ein Mitglied der Oppositionspartei und in politische Aktivitäten gegen die Regierung verstrickt, sagt er. Viermal wurde er ins Gefängnis gesperrt, das letzte Mal sieben Monate. Danach entschloss er sich zur Flucht.

Seine beiden Söhne, die heute 18 und 16 Jahre alt sind, sowie seine fünfjährige Tochter hat er seitdem nicht gesehen. "Wenn ich mich sicher fühlten könnte, würde ich nach Hause gehen, um mit meiner Familie zu leben", betont er. Einfach ist indessen auch seine Situation in Deutschland nicht. Sein offizieller Status: "Aussetzung der Abschiebung." Der Status als geduldeter Ausländer wird jedes halbe Jahr neu überprüft. "Unwohl, besorgt, ängstlich", umschreibt er seine Gefühle.

In Oedheim hat er sechs Wochen lang im Rathaus um Arbeit gefragt, die nur mit knapp über einem Euro pro Stunde bezahlt werden darf. Im Rahmen seiner Erlaubnis ist er als ehrenamtlicher Helfer auch beim Roten Kreuz in Heilbronn tätig. Viermal in der Woche hilft er im Kleiderladen, die Ware zu sortieren. Im Pflegeheim Neckarterrassen unterstützt er den Frühstücksservice.

Immerhin ist Ceesay darin ausgebildet. Er besuchte eine Hotelfachschule und erlernte als Schwerpunkt die Bereiche Restaurant und Bar. Fast zehn Jahre hat er in seinem Beruf gearbeitet, bevor er in Old Jeshwang ein eigenes Unternehmen gründete.

 

Respekt


Oedheim findet er "super". Vor allem, dass sich die Verwaltung gut um ihn kümmert und er mit Respekt behandelt wird. Grundlegende, in Heilbronn erworbene Deutschkenntnisse sind ihm bescheinigt. Trotzdem lernt er mittwochs mit einer Lehrerin weiter.

In seiner Freizeit verfolgt er im Gemeinschaftswohnzimmer gern die Nachrichten: "Ich will wissen, was in der Welt passiert." Außerdem schaut er Fußball. "Ich bin immer für die Besten", bekennt er schmunzelnd sein Faible für den FC Bayern München.


 

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