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19-Jährigen wochenlang gequält

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Drei Hohenloher waren wegen der wochenlangen Misshandlung eines 19-Jährigen des erpresserischen Menschenraubes angeklagt worden.

Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Eva Bezold hat sich an fünf Verhandlungstagen ein Bild von den Vorgängen in der Wohnung des Opfers gemacht. Der 19-Jährige hatte Todesängste ausgestanden und den Tätern Laptop, Handys und Bargeld überlassen. 

Das Urteil soll um 15 Uhr gesprochen werden.

 

Rückblick: Gequält und erpresst


Wie berichtet, hatte der damals 21-jährige Haupttäter Anfang Dezember 2013 mit zwei weiteren jungen Männern den 19-Jährigen vor seiner Wohnung in Öhringen abgepasst. Der Täter und das Opfer, erklärte Pressestaatsanwalt Harald Lustig, hatten sich zuvor privat kennengelernt. "Es ist also nicht so, dass der Übergriff aus heiterem Himmel stattfand. Es hatte sich angebahnt", sagte Lustig.

In der Wohnung wurde der Heranwachsende geschlagen und man zwang ihn, verdorbene Wurst zu essen und sich auf den Boden zu legen. Zur Demütigung wurde er mit Müll überhäuft, außerdem schütteten ihm seine Peiniger Reinigungsmittel in ein Ohr, wodurch sich eine Entzündung bildete, welche ärztlich behandelt werden musste. Das Opfer wurde zudem gezwungen, sich vor dem Trio zu entblößen und den verstreuten Müll mit dem Mund aufzusammeln. Zur Verhinderung von Kontakten nahm der 21-Jährige das Handy des 19-Jährigen an sich.

Kurz vor Weihnachten soll der Haupttäter erneut in die Wohnung des Jüngeren gekommen sein. Nach mehrfachen Schlägen forderte der mutmaßliche Täter die Bezahlung von "Schutzgeld" und zwang sein Opfer, bei einer Bank die Summe von 1000 Euro abzuheben, welche er sich sofort übergeben ließ. In den folgenden Wochen wurde der 19-Jährige immer wieder von dem Haupttäter aufgesucht.

Hierbei soll es zu weiteren Bedrohungen, Körperverletzungen "Schutzgeld"-Forderungen gekommen sein. Da der Heranwachsende über keine weiteren Barmittel verfügte, lieh er sich von den Eltern seiner ehemaligen Freundin mehrere hundert Euro und übergab das Geld an seinen Peiniger. Anfang Januar zwang der 21-Jährige sein Opfer, in einem Elektrofachmarkt ein Laptop im Wert von über 2000 Euro auf Kredit zu kaufen. Das Gerät musste wiederum sofort an den Täter herausgegeben werden.

Wenige Tage später musste der 19-Jährige zusammen mit dem mutmaßlichen Haupttäter und dessen damals 20-jähriger Freundin nach Walldorf fahren, um dort ein Mischpult im Wert von über 5000 Euro auf Kredit zu kaufen. Die gekaufte Ware blieb bei dem Paar. Am 21. Januar zwang der 21-Jährige den 19-Jährigen, bei einer Bank einen Kredit in Höhe von 5000 Euro abzuschließen. Das Geld ließ sich der junge Mann sofort in bar auszahlen und musste dieses dem Haupttatverdächtigen übergeben, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Anfang Februar fasste sich der 19-Jährige ein Herz und schaltete die Polizei ein. Mit Beschluss des Amtsgerichts Heilbronn wurden die Wohnungen des mutmaßlichen Haupttäters, dessen 20-jähriger Freundin und eines damals 22-jährigen Mittäters durchsucht. Dort fanden die Ermittler mehrere beweiserhebliche Gegenstände, darunter Handys, Mischpult samt Zubehör und ein Laptop sowie einige Gramm Amphetamin auf. Das erpresste Bargeld in Höhe von rund 6350 Euro war vollständig aufgebraucht.

Bei seiner Vernehmung hatte der Haupttäter die Vorwürfe eingeräumt. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen und in Vollzug gesetzt. Die beiden mutmaßlichen Mittäter waren auf freien Fuß gesetzt worden. 


 

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