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Abheben im selbst gebauten Cockpit

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Wer bei einem Segelflieger an einen ruhig dahinschwebenden Gleiter denkt, gelenkt von einem entspannten Freizeitsportler, der irrt. Zumindest im Fall des Neckarsulmers Jürgen Eckert: Suche nach Aufwind, Wetterbeobachtung, zahlreiche Instrumente, hier und da ein paar Fotos schießen – die Entscheidungen im Minutentakt seien es gewesen, die ihn zum Segelfliegen gebracht haben. Unter anderem. Denn Fliegen hat dem 57-Jährigen nicht gereicht: Während der vergangenen vier Jahre hat er sich kurzerhand seinen eigenen Flieger gebaut, im Keller seines Wohnhauses im beschaulichen Neckarsulmer Neuberg. Nun hat sein "E-Fliegerle", wie er das weiße Fluggerät getauft hat, die ersten Stunden in der Luft hinter sich.

Motiviert hat den Hochschullehrer ganz schlicht – das Geld: "Das Flugzeug, wie ich es jetzt selbst gebaut habe, kostet quasi im Laden bestimmt 100 000 Euro", sagt der Neckarsulmer. So war es nur ein Bruchteil – der Bausatz stand in einer Scheune in Mühlacker, Eckert hat das Inserat im Internet gefunden. Auch unabhängiger ist er durch den eigenen Flieger geworden: Starten kann er dank eines kleinen Elektromotors ohne Hilfe, der 27-PS-Motor darf aber auch mal eingesetzt werden, wenn die Thermik nicht bis nach Hause trägt. Im normalen Segelbetrieb ist das Aggregat aber eingeklappt, versichert der Experte für Elektrotechnik und Mechatronik. "Der Motor verhindert nur, dass mich andere auf irgendeinem Acker einsammeln müssen", sagt der Hobby-Flieger.

 

Begeisterung


Aufwand und Begeisterung sind enorm, mit denen er bei der Sache ist: "Ich hatte mir vorgenommen, jeden einzelnen Tag eine Sache zu erledigen", erinnert er sich. Zu tun gab es reichlich, vom Montieren selbst über Anrufe beim Hersteller zu Montagedetails und das Vorbereiten der Werkzeuge für den Folgetag bis zur exakten Planung, wo am Carbonfaser-Rumpf er den Bohrer ansetzt. "Dabei war ich manchmal sehr aufgeregt, weil der Rumpf hinüber gewesen wäre", erzählt er und blättert in einem Leitz-Ordner voller Pläne, Zeichnungen und Zetteln voller Berechnungen. "Jemand, der sich nur fürs Fliegen, aber nicht für die Technik interessiert, steht das nicht durch."

Das eine oder andere Wochenende habe er schon investiert in den vergangenen vier Jahren und wird es auch weiterhin tun – allerdings weniger im Keller, sondern im Urlaub: Gemeinsam mit seiner Ehefrau und dem Flieger im sieben Meter langen Anhänger bricht er regelmäßig in die südfranzösischen Alpen auf. "Da haben wir beide etwas davon", sagt der 57-Jährige schmunzelnd. Vor allem die Landschaft hat es ihm angetan, "sie ist sehr vielfältig, von kleinen Seen bis zu hohen Bergen", sagt er. Mit seinem Werk, seinem selbst gebauten Flugzeug, ist er rundum zufrieden und auch ziemlich stolz drauf: Es habe auch ruppigere Landungen ohne zu murren gemeistert, sei robust und auch bei starkem Wind gut zu manövrieren, erzählt Jürgen Eckert."Ich bin zufrieden, wie es geworden ist."

 

Baumerlenbach


Doch nicht nur in Frankreich, auch in der Region ist er in luftiger Höhe unterwegs: Manchmal startet er auf Flugplätzen im Mosbacher Stadtteil Lohrbach oder in Baumerlenbach, das zu Öhringen gehört. Dann macht er sich ins Hohenlohische auf, oder segelt über den Odenwald. "Vier bis fünf Stunden bin ich unterwegs", sagt der Neckarsulmer. Bei längeren Touren sind ein Beutel fürs kleine Geschäft und ein Vesper Pflicht – und natürlich Segelflugwetter: "Dazu gehört Sonnenschein, der die Luft erwärmt und zum Aufsteigen bringt, aber auch ein paar Wolken", erläutert Jürgen Eckert. "Und vielleicht ein Bier in geselliger Segelfliegerrunde."


 

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