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Wie Christian das Erdbeben erlebte

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Unter den Europäern, die am Wochenende das verheerende Erdbeben in Kathmandu erlebten, ist ein junger Hohenloher: Christian Abt aus Bretzfeld. Der 21-Jährige absolviert seit Ostern bei einer Internet-Firma in der nepalesischen Hauptstadt ein Praktikum. Eigentlich war sein Aufenthalt auf zwölf Wochen anberaumt.

 

Kontaktversuche


Wie Christian Abt seiner besorgten Familie, teils am Telefon, teils über den Nachrichtendienst Whats App und über SMS mitteilte, gehe es ihm "den Umständen entsprechend" gut. Der Kontakt bricht allerdings immer wieder ab. Die Leitungen sind überlastet, der Handy-Akku ist schnell leer, Internet funktionierte am Montag nicht. 

Gegenüber der Heilbronner Stimme versucht er zu schildern, wie er die Erdstöße erlebte: Abt sitzt am Samstag gerade auf seinem Hotelbett. Mit dem Laptop auf dem Schoß will er eine E-Mail verfassen – "und dann weiß ich nicht mehr viel. Ich bin aufgesprungen, habe erst nichts gecheckt." Erst nach einigen Augenblicken wird ihm klar, dass es sich nur um ein Erdbeben handeln kann. "Unglaublich, wie die Wände gewackelt haben, unvorstellbar. Ich war mir sicher, dass das Hotel jeden Moment einstürzt und habe zitternd und wackelnd versucht, die Hoteltüre aufzuschließen."

Auf dem Hotelflur im dritten Stock trifft er auf den Hotelier und auf eine Putzfrau. Beide halten sich an einer Tür fest. "Die haben mich angelächelt und gesagt: earthquake", also Erdbeben. "Da dachte ich, das sei normal und bin noch mal ganz kurz ins Zimmer zurück, um dann aber eine Sekunde später die Treppe runterzurennen." Übers Foyer gelangt er schnell ins Freie auf den Hotelvorplatz, wo sich schon viele Menschen versammelt haben. Die Aufregung ist groß. Das Hotelgebäude ist nicht beschädigt, in der näheren Umgebung aber sieht es verheerend aus. Das erste Foto, das "Spiegel online" am Samstag postet, entstand in seiner Straße.

 

Nächte im Freien


Im allgemeinen Trubel lernt der unkomplizierte Hohenloher einen Amerikaner und einen Kanadier kennen. Angesichts absehbarer Nachbeben sagen sich die drei: "Nichts wie raus aus der Stadt." Als es relativ ruhig bleibt, kehrt Christian Abt nach zwei Stunden noch mal kurz in sein Hotel zurück. "Ich habe mein Zeug in zwei Minuten gepackt und bin dann aus dem Hotel mit allem raus."

Die ersten zwei Nächte verbringt der Hohenloher mit Hunderten teils verletzten Menschen auf einem freien Feld: ohne Schlafsack. Seiner besorgten Mutter schickt er folgende Nachricht: "Haben die Nacht draußen auf einer von der Polizei bewachten Wiese geschlafen. War aber sooo kalt. Bin jetzt auf einer anderen, vom Militär bewachten Wiese und habe für heute Nacht auch Decken. Also alles klar, aber jetzt voll heiß." Hinter die SMS setzt der stets optimistisch wirkende junge Mann noch ein gelbes Smiley.

Am Montag landet der 21-Jährige schließlich in der deutschen Botschaft. Man sei dort "relativ entspannt", teilt er am Telefon kurz mit. In Absprache mit seinem Chef – der ihm ein Anschlusspraktikum "in Nepal oder sonstwo" vermitteln will – kümmert er sich nun um einen Heimflug. Abends bringt ein Anruf Gewissheit: "Plötzlich hieß es am Flughafen: Ein Hilfstransport hat auf dem Rückflug fünf Plätze frei. Wir sollen uns schnell entscheiden." Über New Delhi ist Abt jetzt auf dem Weg in die Heimat.

Abt, der zwei Brüder hat, machte 2012 am Hohenlohe-Gymnasium Öhringen das Abitur. In seinem Freiwilligenjahr kümmerte er sich anschließend um Obdachlose in Bozen/Südtirol. Ein Praktikum führte ihn nach Nepal. Christian Abt studiert Betriebswirtschaft in Köln, zum Herbstsemester in Rom


 

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