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Teufelsgeigerinnen

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Der junge Mann mit Fliege verneigt sich, halb artig, halb belustigt, bedankt sich bei Dirigent Peter Braschkat und Konzertmeister Albert Boesen mit einem kecken Handschlag. Gelungen, tiefes Durchatmen.

Das Konzert für Fagott und Orchester F-Dur op. 75 von Carl Maria von Weber (1786-1826), eines der wenigen Paradestücke für Fagottisten, in dem Weber dem Bläser alles abverlangt, nicht nur ein sicheres Gespür für die Höhen, hat es in sich. Bald heißt es für den Fagottisten Jonas Imkampe jedoch Abschied nehmen: Nicht von der Bühne, nicht von seinem geliebten langen Lulatsch von Holzblasinstrument.

 

Liebäugeln


Nein, es geht um einen im Laufe der Jahre doch liebgewonnenen Ehrentitel. Seit Jahr und Tag wurde der 1995 in Heilbronn geborene Jonas Imkampe als Talent verehrt, gefordert und gefördert. Jetzt hat er es geschafft: Er ist Vollstudent an der Hochschule für Musik in Stuttgart. Traumziel vieler Musikschüler und, wie Träume nun einmal sind, oft unerreichbar. Die vier Preisträgerinnen aus der Region, die im letzten Jahr beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" reüssiert haben und in einer Matinee des Heilbronner Sinfonie Orchesters (HSO) in der Harmonie ihre Solistenqualitäten unter Beweis stellen durften, liebäugeln zumindestens damit.

Da ist zum Beispiel das Küken an der Violine, die gerade elfjährige Anna-Alexandra Dörschner. Letztes Jahr wurde sie als Jungstudentin in das Pre-College der Hochschule der Musik in Würzburg aufgenommen. Unbefangen betritt sie die Bühne und spielt den ersten und den dritten Satz des Violinkonzerts Nr. 3 G-Dur von Mozart. Angst, Scheu? Sie ist konzentriert wie ein erfahrenes Bühnentier, der Klang ihrer Violine zum Niederknien voll. Was sind schon 300 interessierte Zuhörer?

Julia Hafenbrak, Schülerin am Hohenstaufen-Gymnasium in Bad Wimpfen, ist vier Jahre älter als die junge Anna Dörschner. Auch ihre Jugend ist von der Musik bestimmt. Sie ist Mitglied der Jungen Orchesterakademie der Region Franken und des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg. Eine Romanze von Beethoven und eine Havanaise von Camille Saint-Saëns hat sie sich für die Matinee ausgesucht. Ihr Repertoire kann sich sehen lassen.

Mit der Cellistin Mirjam Böh, 1997 in Siegelsbach geboren, verbindet sie nicht nur eine Freundschaft. Beim Bundeswettbewerb haben die beiden in der Kategorie Streicher-Ensemble auch einen ersten Platz ergattert. Beim HSO beschreiten sie getrennte Wege. Böh, Schülerin von Gabriel Faur, Solocellist beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, und schon fast in der ganzen Musikwelt zu Hause, jedenfalls was die Sommerkurse am Mozarteum angeht, spielt zwei Stücke von Antonin Dvorak. Und dann ist da noch so ein Talent, das fast schon auf dem Sprung ist.

Seit drei Jahren besucht Adriana Schubert (1998) die studienvorbereitende Klasse an der Musikhochschule Stuttgart. Auch die Cellistin, die sich beim HSO wieder mit ihrem Lieblingsstück von Joseph Haydn vorstellt, dem C-Dur Konzert für Cello und Orchester, verfügt nicht nur über Musikalität, die haben viele, sondern auch über diese Hartnäckigkeit, die Großes erhoffen lässt.


 

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