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Schulstürmer verurteilt

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Ein wenig belämmert sitzen sie auf der Anklagebank und sollen ihre Aktion erklären, die im Dezember für viel Wirbel gesorgt hat.

Drei junge Männer im Alter von 15 bis 19 Jahren sind gestern Angeklagte im Amtsgericht, weil sie sich einen "Scherz" ausdachten, der alles andere als gut ankam. Maskiert waren sie im Dezember 2014 gegen 11 Uhr ins Klassenzimmer einer zehnten Klasse am Theodor-Heuss-Gymnasium gestürmt, hatten laute Techno-Musik laufen lassen und die Utensilien auf einigen Tischen abgeräumt. Ihre Tarnkleider: eine "Scream"-Maske mit weit aufgerissenem Mund, eine "Guy-Fawkes"-Maske englischer Revolutionäre und ein Motorradhelm.

 

Hausfriedensbruch


Die Jungen, zwei Schüler einer anderen Schule und ein Azubi, flüchteten nach ihrem kurzen Auftritt. Die Schulleitung erstattete Anzeige, weil sie Grenzen überschritten sah. Hausfriedensbruch lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Was hinter der Klassenstürmung stand? "Es sollte nur ein Spaß sein", sagt der 16-Jährige, dessen Freundin in der ausgewählten Klasse ist. Er habe die Masken noch von einer Halloween-Party im Auto gehabt, beleuchtet der 19-Jährige den Hintergrund. Als "dumme Idee", als Fehler stufen sie ihre Tat ein. Sie meldeten sich damals von selbst bei der Polizei, entschuldigten sich bei der Schulleitung in einem Brief und boten Arbeitsdienste an – eine Reaktion blieb aus. "Wir fanden es nicht sonderlich witzig", sagt die Freundin des einen Angeklagten aus. Ob ihr Freund mit der Tat ihr imponieren wollte? "Ich hoffe, nicht."

 

Einsichtig


Dass alle Angeklagten einsichtig waren und nun hoffentlich wissen, "wo der Spaß aufhört", berichtet der ermittelnde Polizist. Schulen seien sensible Bereiche. Bei einer möglichen Amoklauf-Meldung, einem Großeinsatz mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Hubschraubern würden einige zehntausend Euro Einsatzkosten zusammenkommen. Geld, das die Verursacher dann zahlen müssten. Daran, räumte der 19-Jährige kleinlaut ein, hätten sie gar nicht gedacht. 

"Es war eine Straftat, kein schlechter Scherz", schärft Richter Hans-Martin Dietrich dem Trio ein. Nach dem Jugendstrafrecht verurteilt er die zwei Schüler zu je 20 gemeinnützigen Arbeitsstunden, den Azubi zu 200 Euro Geldauflage


 

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