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Hip-Ersatz an der Hafenstraße

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Vor wenigen Tagen hat das hippe Heilbronner Freiluftlokal Hip Island die Sommersaison eingeläutet. Es wird die letzte sein, zumindest am bisherigen Standort. Die Fläche wird für die Erweiterung der Karl-Nägele-Brücke und der Fügerstraße gebraucht. Als dies im Zuge der Buga- und Neckarbogen-Projektierung bekannt geworden war, avancierte das Hip Island zum Politikum. Der Jugendgemeinderat konfrontierte die damaligen OB-Wahl-Kandidaten damit. Harry Mergel versprach im Wahlkampf, sich darum zu kümmern.

Genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt scheint die schwierige Suche nach einem Ersatzstandort beendet zu sein. "Ich bin froh, dass wir jungen Erwachsenen eine hervorragende Fläche anbieten können, an der sich eine Freiluftgastronomie etablieren kann," ließ Mergel anklingen. Doch der Verwaltungschef hütet sich, vom "Ersatzstandort fürs Hip Island" zu sprechen. Die offizielle Sprachregelung, die Rathaussprecher Anton Knittel Mittwochabend bekanntgab, lautet vielmehr: "Die Stadtverwaltung wird demnächst ein etwa 3200 Quadratmeter großes Grundstück westlich der Hafenstraße zur Vermietung inserieren, um darauf eine Freiluftgastronomie anlegen und betreiben zu lassen."

Auch Helmut Semenass, der Leiter des Amts für Liegenschaften und Stadterneuerung, ist vorsichtig. "Ich werde einen Teufel tun und irgendetwas antizipieren." Schon während der Standortsuche hätten sich neben dem bisherigen Hip-Betreiber Ralf Munz, drei, vier andere Interessenten gemeldet. Letztlich gebe das beste Konzept den Ausschlag für den Zuschlag.

Zuletzt hatte die Stadt einen Teil des ehemaligen Amerikaner-Sportplatzes nördlich des Frankenstadions ins Auge gefasst, der aber wegen absehbarer Nachbarschaftsprobleme ausgeschieden war. Nach intensiver Suche habe Semenass nun das "mutmaßlich einzige passende Grundstück" gefunden: an der Hafenstraße 17. Alle zuständigen Fachämter hätten bereits grünes Licht gegeben. Der Nachbar, die Reederei Schwaben, sei unterrichtet, der andere ist das städtische Hafenamt.

 

Straßenstrich


Das Grundstück sei 2014 frei geworden, weil die dortige Kiesfirma den Mietvertrag nicht verlängert habe. An der zwei Meter hohen Betonwand steht "Weber & Co". Bis auf eine Garage ist das Gelände geräumt, am Westrand verlaufen Gleise der Industrie- und Hafenbahn. "Was zum Ufer hingeht" ist laut Semenass nicht Teil der Ausschreibung, aber "verhandelbar". Außen vor ist die Uferböschung mit öffentlichem Weg, wie der Neckarkanal gehört dieser Streifen dem Bund. Flussadresse: Kilometer 112,600 bis 112,700 am geografisch rechten Neckarufer.

An der Hafenstraße stehen zwei Wohnwagen, die von Prostituierten genutzt werden. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich der Straßenstrich durch den Besucherzustrom zum neuen Freiluftlokal automatisch nach Norden verlagert.

So sieht es auch Patrick Kuhn, der Vorsitzende des Jugendgemeinderates, der sich schon früh für einen Hip-Ersatz stark gemacht hat. Der 18-Jährige findet die Alternative "gut und zukunftsfähig": Die Buga ist um die Ecke, Bahnhof und Bushaltestellen auch. Die Nähe zum Wasser lasse viel Gestaltungsspielraum. "Man sollte nicht immer gleich auf das Negative schauen."

 

Namensfrage


Hip-Wirt Ralf Munz macht keinen Hehl daraus, dass er sich bewerben werde. "Klar, das ist unsere Existenz." Und die Lage? "Es gibt nichts Besseres in Heilbronn. Der Strich wird sich verlagern." Die Gleise sieht er nicht als Hindernis, sondern als "Spannungsmoment", das man einbauen könnte. Wie? Das will der 50-jährige noch nicht verraten. Nur soviel: Am bisherigen Profil seines rustikalen Strandlokals würde er nicht viel ändern, "aber wie jetzt schon immer auf Höhe der Zeit bleiben". Ob er den Namen beibehalten würde, ist offen. Denn "Hip" leitet sich vom Heilbronner Innovationspark ab, in dem sich das Lokal vor zehn Jahren ansiedelte. Wie es künftig heißen könnte? Munz: "Weiß ich noch nicht, vorher müsste ich den Zuschlag bekommen."


 

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