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Erinnerung an die Bombennacht

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Als am Freitagabend zur Stunde des Bombenangriffs vor 71 Jahren die Kirchenglocken in Heilbronn läuten, wird es mucksmäuschenstill im Stadtgarten. Rund 50 Menschen, vor allem junge, halten inne, werden nachdenklich. Jugendreferentin Andrea Meier-Pankonin spricht ein Gebet, als das Geläut ausklingt: "Herr, nimm’ den Menschen die Ängste, dort wo jetzt Bomben fallen; hab’ Dank, dass wir Lehren daraus ziehen können."

Zielgruppe

Es sind diese Momente, die den ökumenischen Friedensweg zu etwas ganz Besonderem machen. Die katholische Gemeinde St. Augustinus, der evangelische Distriktarbeitskreis Jugend Heilbronn-City und die evangelisch-methodistische Kirche versuchen mit einem Marsch durch die Innenstadt, das Grauen der schlimmsten Stunde in der Stadtgeschichte plastisch zu machen, in der mehr als 6500 Menschen starben. Vor allem junge Leute sind die Zielgruppe, für die die Geschichte weit zurückliegt.

Start ist im Hans-Rießer-Haus, Ende in der Nikolaikirche mit einer Friedensandacht. Dazwischen: verschiedene Stationen, die die Ereignisse nachvollziehbarer machen sollen. Zum Beispiel der plötzliche Fliegeralarm im großen Saal des Rießer-Hauses; dann der nur mit Kerzen spärlich beleuchtete Keller des Gebäudes, der die beklemmende Atmosphäre eines Bunkers darstellt. Nach dem Stadtgarten folgt dann der Innenhof des Rathauses und die Ehrenhalle, schließlich die Nikolaikirche. An allen Stationen singen die Teilnehmer Lieder, es werden Zeitzeugenberichte vorgetragen. Die Stationen verbinden den Marsch der 50 Friedensbewegten, angeführt von einem Fackelträger durch die Gymnasium- und Kaiserstraße, die Route halten zwei Polizei-Streifenwagen frei.

Der Friedensweg findet in der Art zum ersten Mal statt. Eine gelungene Premiere? "Ich finde die Idee richtig gut", sagt Dorothea Mössinger (18). "Die Zeitzeugen des Bombenangriffs sterben, da ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass die Geschichte nicht verloren geht." Amelie Ganßer (25) nennt die Stationen "ganz gut ausgewählt". Vor allem im Keller des Rießer-Hauses und besonders beim Glockengeläut im Stadtgarten "war es mal ganz still. Sogar der Himmel hatte eine rote Färbung."

Amelie Ganßer hat als 25-Jährige noch einen Bezug zur Bombennacht. "Meine Oma erzählt viel davon." Dennoch glaubt Dorothea Mössinger, dass jüngere Menschen wie sie, sich nicht wirklich das Ausmaß des Grauens vorstellen können, "einfach nichts mehr zu haben, wenn alles kaputt ist".

Für David Reuff (16) ist der Friedensweg "eindrücklich". Er sei ins Nachdenken gekommen. "Man lernt zu schätzen, dass man im Frieden lebt." Auch bei Leonie Steimer (16), die wie David Reuff in der Freien evangelischen Gemeinde aktiv ist, hinterlässt der Friedensweg Eindruck: "Wenn man sich vorstellt, dass unsere Großeltern das erlebt haben..." Dennoch meinen beide, dass es nicht einfach sei, dass jüngere Menschen den lang zurückliegenden Schrecken nachempfinden können. "Es gibt eben nichts, mit dem wir vergleichen können. So etwas haben wir noch nicht erlebt", sagt Leonie Steimer.

Aha-Effekt

Wobei die Flüchtlinge, die zurzeit vom Krieg flüchten und hier in unsere Nachbarschaft ziehen, einen aktuellen Bogen schlagen. Darum gibt es beim Friedensweg auch einen Aha-Effekt ganz zum Schluss beim Gottesdienst. Denn da wird bekanntgegeben, dass ein paar von den Zeitzeugenberichten bei den Stationen nicht von der Heilbronner Bombennacht 1944 in Heilbronn stammen, sondern von aktuellen Kriegserlebnissen aus der Heimat der Flüchtlinge. Der Unterschied ist keinem aufgefallen.

Ursprung

Die Idee für den Friedensweg stammt vom ökumenischen Jugendkreuzweg an Karfreitag.  " Wir wollten für den 4. Dezember eine Form von Gottesdienst vor allem für jüngere Leute schaffen", sagt Jens Jörgensmann von der St.-Augustinus-Gemeinde. "Und wir wollten hinaus gehen und ein Bewusstsein für diesen Tag schaffen", ergänzt Jonas Keller, Jugendreferent vom evangelischen Jugendwerk Heilbronn. Für beide ist die Premiere geglückt. Wiederholung erwünscht.

 

 

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