Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Kurze Aufruhr in Neuenstadt

zurück zur Übersicht

Die Rede ist von 100 Flüchtlingen, die vergangenen Freitag gegen 18.30 Uhr in der Neuenstadter Zeltstadt aufeinander losgehen. Der Auslöser der Schlägerei soll eine Auseinandersetzung zwischen Algeriern, Indern und Pakistani gewesen sein. Sie haben sich darum gestritten, wer sein Mobiltelefon als Erstes aufladen darf, sagt Petra Gänsler, Einrichtungsleiterin bei European Homecare. Das Unternehmen ist für den Betrieb der Notunterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Autobahnmeisterei zuständig.

Körperverletzung

Bei der Prügelei sind nach Angaben der Polizei fünf Asylbewerber und ein Security-Mitarbeiter verletzt worden, ein Asylbewerber befindet sich am Samstag noch stationär im Krankenhaus.

Die Polizei ist am Freitagabend mit etwa 15 Streifenbesatzungen vor Ort, die Beamten haben die Lage gegen 19 Uhr unter Kontrolle. Ein 22-jähriger Asylbewerber wird nach den derzeitigen Ermittlungen der Heilbronner Kriminalpolizei der gefährlichen Körperverletzung verdächtigt. Er ist am Samstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn dem Haftrichter beim Amtsgericht Heilbronn vorgeführt worden. Jetzt sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Wie viele Personen genau an der Schlägerei beteiligt waren, darauf will sich die Polizei zunächst nicht genau festlegen. Sie spricht von "zahlreichen Personen".

Keine zwei Stunden nach der Prügelei deutet nichts mehr auf den Aufruhr hin; ein paar Polizeiwagen stehen noch vor der Zeltstadt. Ruhig verläuft auch das Wochenende. Die Schlägerei in der Unterkunft mag unerwartet passiert sein; sie überrascht Petra Gänsler allerdings nicht. "Wo so viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Herkunftsländern zusammen sind, kann es passieren, dass aus Kleinigkeiten heraus eine Schlägerei wie am Freitagabend entsteht", sagt die Einrichtungsleiterin. Grundsätzlich sei die Stimmung in der Neuenstadter Unterkunft gut.

Am Freitagabend sei es eine Gruppe von zehn Algeriern gewesen, die "gestänkert" hat. Im Verlauf des Streits bilden sich rasch Gruppen, am Ende seien etwa 100 Mann aufeinander losgegangen. Nach der Schlägerei reagiert Gänsler und lässt die insgesamt 30 Algerier mit einem Bus abholen. Sie sind nun in der Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen untergebracht.

In der Flüchtlingsunterkunft Neuenstadt leben jetzt knapp 230 Männer, keine Frauen. Im Durchschnitt sind sie zwischen 22 und 35 Jahre alt, sagt Christina Doka. Die Neuenstadterin ist bei European Homecare angestellt und kümmert sich um die Bewohner der Zeltstadt. Sie stammen unter anderem aus Syrien, Pakistan und Indien. Maximal zwei Monate, schätzt Doka, bleiben die Flüchtlinge im Schnitt in Neuenstadt, manche verlassen die Unterkunft bereits nach drei Wochen.

Nichtigkeiten

"Wir haben oft tolle Leute hier, die was im Kopf haben", sagt Doka. Aber sicher: Unter ihnen ist immer wieder jemand, der sich nicht so gut in die Gemeinschaft einfügt. Kommt es zum Streit, sind die Gründe nach hiesigem Verständnis Nichtigkeiten. Da geht es ums Essen oder eben um ein Ladegerät fürs Handy.

Die Männer kümmern sich in der Unterkunft um Alltäglichkeiten. Sie sind mit Aufräumarbeiten beschäftigt, zum Küchendienst oder der Essensausgabe eingeteilt. Sie helfen in der Kleiderkammer. Ihre unsichere Zukunft belastet viele. Wenn Zeit bleibt, erzählen sie von ihrer Heimat, sagt Doka, Gutes und Schlechtes. Viele plagt Heimweh.

Neuenstadts Bürgermeister Norbert Heuser unterstreicht die Verantwortung des Landes. Es sei dafür verantwortlich, wie viele Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen auf engem Raum in den Zelten zusammenleben müssten. "Je höher diese Zahl ist, je größer ist auch das Risiko, dass es zu Zwischenfällen kommen kann." Dass das Leben in der Notunterkunft bisher weitestgehend friedlich abgelaufen ist, führt das Stadtoberhaupt "auf den großen Einsatz der Haupt- und Ehrenamtlichen" zurück.

 

Galerien

Regionale Events

Digitale Azubimesse

Mehr als 50 Unternehmen stellen von 14. bis 20. Februar ihr Aus- und Weiterbildungsangebot digital vor.

Neuer Impfpunkt

Die Stadt Heilbronn ergänzt ihr Impfangebot um die Harmonie.