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Bunter Protestzug gegen Rechts

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"Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda." Die Teilnehmer des Umzugs rund um die Öhringer Innenstadt sind sich einig. Was sie eint, ist der Protest gegen die rechts gerichteten Kundgebungen, die seit Wochen auf dem Parkplatz der Alten Turnhalle über die Bühne gehen.

"Gerade in einer Zeit, in der rechte Hetze in Deutschland zunimmt, finde ich es wichtig, ein Zeichen zu setzen gegen Rassismus", begründet eine 24 Jahre alte Studentin aus Heilbronn, warum sie – nicht zum ersten Mal – an diesem Samstag nach Öhringen gekommen ist. Sie schließt sich wie weitere Männer und Frauen jeglichen Alters dem links-grünen Bündnis an. Los geht es am Hauptbahnhof, dann ziehen sie über die Schiller- und Uhlandstraße zum Parkhaus Alte Turnhalle an der Hunnenstraße.

Ab und zu schrillen Trillerpfeifen, hin und wieder geben Trommeln den Takt des Umzugs vor. Die Stimmung – entspannt. "Ich bin von Anfang an dabei", erzählt ein 18-jähriger Gymnasiast aus Heilbronn. Er lächelt. "Meine Eltern fragen mich immer, warum ich hier her gehe. Wo denn die Öhringer seien?"

Recht

Öhringer sind mitten drin. Johannes Tiesler zum Beispiel. Der 62-Jährige will "ein Zeichen setzen gegen den rechten Rand". Jeder, der aus einem Kriegsgebiet vertrieben werde, habe ein Recht, aufgenommen zu werden. In der Flüchtlingsdebatte kommt Tiesler ein Aspekt zu kurz: der soziale Wohnungsbau. Der müsse endlich Fahrt aufnehmen. Denn die Flüchtlingen müssten schließlich ja auch irgendwann irgendwo leben.

Nach offiziellen Angaben von Stadt und Polizei machen rund 150 Menschen beim Umzug mit. Es sind viel mehr, sagen Teilnehmer wie Verdi-Geschäftsführerin Marianne Kugler-Wendt vom Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken. Erst vor Kurzem haben Steffen Raach (47) und Anne Hübner (45) erfahren, dass es in Öhringen seit Wochen zu Kundgebungen gegen die deutsche Flüchtlingspolitik kommt. "Das hat uns erschreckt", bekennt Raach. Für das Paar aus Schwäbisch Hall stand sofort fest: "Da müssen wir hin." Hetzparolen wollen sie etwas entgegensetzen. Ihr Eindruck? Die beiden blicken sich um, schmunzeln: "Ein paar Leute mehr könnten es schon sein."

Märchen

Warum nicht mehr Öhringer kommen? Johannes Tiesler überlegt. "Das liegt sicher auch an den modernen Märchen", sagt er und meint das Gerede über Kriminalität und Vergewaltigungen, begangen von Migranten.
Der Zug nähert sich dem Ziel. Immer wieder erklingt eine Liedzeile aus dem Tross: "Refugees are welcome here."
 

 

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