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Wollhaus-Pläne geraten ins Stocken

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Die Blütenträume welken zusehends: Der Abriss des Heilbronner Wollhauses und der Bau eines neuen Einkaufszentrums lassen sich vor der Bundesgartenschau 2019 nicht mehr umsetzen. "Wenn man bedenkt, welche Vorarbeiten noch erforderlich sind, dann wird das realistischerweise nicht mehr vorher stattfinden können", sagt Uwe Jaggy, Direktionsleiter der Strabag, auf Anfrage der Heilbronner Stimme.

"Wir sind leider noch nicht ganz da, wo wir hinwollen", bedauert Jaggy. Gleichwohl bleibt er dabei: Man führe "erfolgreiche Gespräche" über den Kauf weiterer Eigentumsanteile an Wollhauszentrum und Turm. Mit wie vielen, und vor allem mit welchen der insgesamt zwölf Eigentümer die Strabag Real Estate bereits Vorverträge ausgehandelt hat, darüber ist Jaggy nicht sehr auskunftsfreudig. Es sei "die überwiegende Mehrheit". Nach Stimme-Informationen aber fehlen Optionen für die großen Eigentumsblöcke.

Das betrifft die Teile, wo bis Februar 2016 noch der Kaufhof ist, sowie die Ladenzeilen. Diese Bereiche gehören der Frankfurter Immobiliengruppe Lisker und dem dänischen Investor K/S Heilbronn Tysk-land. Man habe die "überwiegende Mehrheit der Miteigentumsanteile" beharrt Jaggy.

Unbeirrt

Die Strabag hält am Wollhauszentrum trotz dieses offensichtlichen Rückschlags "unverändert fest". Man komme weiter, nur eben nicht ganz so schnell. Noch im Sommer hatte der Investor gegenüber der Stadt Heilbronn Zuversicht verbreitet: Der Projektentwickler werde womöglich noch in diesem Jahr die notwendigen Verhandlungen abschließen können, hieß es aus dem Rathaus. Mit der Verwaltung hatte Strabag, die unter anderem das Milaneo in Stuttgart gebaut hat, einen Realisierungvertrag, der nach Stimme-Informationen bis 30. Juni 2016 uneingeschränkt gilt und danach gekündigt werden könnte.

Ob die Option verlängert wird, was Strabag offensichtlich anstrebt, oder ob man sie kündigen will, darüber müsste der Gemeinderat entscheiden. Der hatte im Oktober 2012 diese Entwicklungsvereinbarung mit der Strabag genehmigt. Derlei Verträge sind in solchen Fällen üblich: Auch beim Klosterhof-Projekt, wo es ebenfalls eine kleinteilige, komplizierte Eigentümerstruktur gab, hatte man einem Entwickler für einige Zeit ein Exklusivrecht eingeräumt, damit dieser die Kaufverhandlungen führen kann.

Der Gemeinderat schob der Option für Strabag im Jahr 2014 sogar noch eine Sanierungssatzung nach: Darin legte sich die Kommunalpolitik fest, dass das Wollhauszentrum samt Turm abgerissen und das Areal völlig neu geordnet wird.

Privateigentum

Mit der Satzung hat die Stadt zwar eine Handhabe gegen gravierende Veränderungen, jeder Nutzung im bisherigen Kaufhof, die über zwölf Monate hinausgeht, muss das Rathaus zustimmen. Mehr Rechte aber hat man mit Rücksicht auf das Privateigentum nicht.

Gegen diese Sanierungssatzung läuft ein Normenkontrollverfahren. Dass der Abriss damit vorgeschrieben ist, missfällt dem Strabag-Konkurrenten. Der Berliner Projektentwickler Acrest hat mit den Haupteigentümern der Läden andere Pläne für das Wollhaus entwickelt – im Juli präsentierte unsere Zeitung sie erstmals exklusiv. Acrest will die Wollhaus-Gebäude im Kern erhalten, das Äußere aber bis auf das Stahlbetonskelett beseitigen und neue Geschäfte mit neuer Fassade schaffen.

Als Vorteil präsentierten die Acrest-Manager Mitte des Jahres Analysen, wonach Shoppingmalls nicht mehr der letzte Schrei seien. Gefragt seien größere Läden mit Einzelzugängen von außen. Acrest sprach von der "Fleiner Straße als Mall". Zudem sei dieser Eingriff für die Umgebung nicht so gravierend wie Abriss und Neuordnung. Aktuelle Stellungnahmen waren von den fraglichen Eigentümern nicht zu erhalten. Acrest teilte mit, man prüfe die Klageerwiderung der Stadt: "Wir möchten uns in dieser Phase nicht zu unseren Plänen äußern."

Teure Verkehrslösung

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel reagiert auf die Verzögerungen mit gemischten Gefühlen. Zum einen hätte er Abriss und Neugestaltung an dieser Stelle gerne gesehen. Zum anderen war ihm bewusst, welche Riesenbaustelle dies zusätzlich zur Buga und den Straßenbauten gewesen wäre. Der Gemeinderat müsse im ersten Quartal 2016 entscheiden, wie er weiter verfahren will: "Verlängern wir die Option oder eröffnen wir wieder den Wettbewerb um die Konzepte?"

Eines aber ist für den Stadtchef schon jetzt vom Tisch: Die zu Zeiten seines Vorgängers geplante große Verkehrslösung rund um das Wollhaus: "Die können wir uns finanziell nicht leisten."

 

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