Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Integrationsschlüssel Sprache

zurück zur Übersicht

Heute hat Norbert Dörrer zwei Spiele in seiner Tasche. Tabu und Black Stories möchte der Deutsch- und Religionslehrer an der Richard-von-Weizsäckerschule mit seinen 14 Schülern spielen. Für die meisten Schüler wäre das das reinste Vergnügen. Für die 14 jungen Männer im Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf für Schüler ohne Deutschkenntnisse (VABO) ist es Stress pur: Sie müssen ein Wort beschreiben, ohne es zu benutzen. Da helfen auch die Ausflüge ins Englische nur wenig. "Ziel ist, das am Ende des Schuljahres zu können", formuliert Norbert Dörrer das Ziel. Die Schüler nicken eifrig.

Denn das sind sie: Eifrig und lernbegierig. "Unsere Schüler sind sehr gerne hier", sagt Schulleiter Uwe Stiefel. Nicht selten begegnet er um vier am Nachmittag noch Schülern. "Sie wollen ganz schnell Deutsch lernen", weiß Stiefel. "Und die Schule gibt ihrem Alltag Struktur." Stiefel erzählt von einer Begegnung zu Beginn der Sommerferien: "Ein Schüler sagte: Eigentlich gehe es ihm gut, aber auch nicht, weil jetzt Ferien sind."

Vorwissen

Extrem motiviert seien die Flüchtlinge, betont auch Martina Hävekamp. Sie unterrichtet Deutsch und Englisch in der VABO. Gerade steht Englisch auf dem Stundenplan. Wasel Alzawaiher (22) spricht sehr gut Englisch und auch schon gut Deutsch. Und das, obwohl er erst seit Februar in Pfedelbach lebt. Er hat in Syrien ein Jahr die Universität besucht, ist ein heller Kopf. Er sagt: "Ich will so schnell wie möglich arbeiten können und anerkannt werden." Dass die Sprache dafür immens wichtig ist, das weiß er. Und lernt entsprechend viel. Wasel meint: Da er schon Englisch kann, ist Deutsch für ihn auch nicht so schwer zu lernen. "Wer nur arabisch kann, tut sich schwerer", hat er beobachtet. Sein Nebensitzer Moaz Almansor (17) stammt ebenfalls aus Syrien. Er findet: "Deutsch ist leicht. Englisch ist schwer." Er lebt seit drei Monaten in einer betreuten Gruppe im Cappelrain. Das ist gut, sagt er. Dort müsse er viel reden. Ali Zeravan (17) kam vor vier Monaten aus dem Irak nach Hohenlohe. Auch er lernt lieber Deutsch als Englisch.

Die Vorkenntnisse der Flüchtlinge sind unterschiedlich. "Manche waren gar nicht oder nur vier Jahre auf der Schule", sagt Uwe Stiefel. Heute früh hat er drei neue Schüler bekommen. Alle drei sind Analphabeten. Sie sind keine Ausnahme.In fünf Klassen werden die Flüchtlinge unterrichtet. Es gibt fünf unterschiedliche Niveaustufen von VABO 1 bis VABO 5. Pro Gruppe lernen etwa 14 Schüler. "Mehr geht nicht", sagt Stiefel. An der Karoline-Breitinger-Schule in Künzelsau sind es 100 Schüler in sechs Klassen. Nicht nur im Sprachkurs, auch in praktischen Fächern wie Metallbearbeitung, Kochen oder Sport ist der Betreuungsbedarf hoch. Aber gerade diese Fächer sind für die jungen Männer (und das eine Mädchen) sehr wichtig.

Den jungen Flüchtlingen, sagt Stiefel, wurde durch den Krieg und die Flucht ein Stück Jugend genommen. In den Unterkünften müssen sie sich selber versorgen. Das Fach Kochen ist entsprechend wichtig. "Sport auch. Da können die jungen Männer Spannungen abbauen", erklärt Stiefel. Wird Fußball gespielt, müsse er als Schiedsrichter sehr genau aufpassen: "Jedes kleinste Foul muss gepfiffen werden."

Alle zwei Wochen treffen sich die Klassenlehrer der VABO-Klassen und besprechen, wer in das nächsthöhere Niveau wechseln kann. Dann ist auch klar, wo wieder Luft ist. Für die ständig wachsende Schülerzahl braucht die Schule Lehrer. "Das Land weiß das", sagt Stiefel. Die Bereitstellung von Lehrerstunden funktioniert. Schwieriger ist es, Pädagogen zu finden. Stiefel hat Pensionäre zurückgeholt und zwei Grundschullehrerinnen eingestellt. Der Vorteil: Sie wissen, wie man mit Sprachanfängern umgeht. Bildergeschichten und Schwungübungen sind Teil des Unterrichts. "Man muss halt improvisieren und auf die Fragen der Schüler reagieren", erklärt Martina Hävekamp.

Paten

Schnell reagieren muss Stiefel immer wieder, wenn vom Landratsamt die Anfrage kommt, ob er weitere Schüler aufnehmen kann. Ziel ist, die Flüchtlinge schnell in die regulären VOB-Klassen zu integrieren. Unterstützt werden die Flüchtlinge dabei von Mitschülern anderer Klassen. Jeder Flüchtling hat zwei Paten. Kontakte finden auch außerhalb der Schulzeiten statt. "Das funktioniert super", freut sich Stiefel. Die Patenschaften seien sehr schnell vergeben gewesen.

 

 

Galerien

Regionale Events

Digitale Azubimesse

Mehr als 50 Unternehmen stellen von 14. bis 20. Februar ihr Aus- und Weiterbildungsangebot digital vor.

Neuer Impfpunkt

Die Stadt Heilbronn ergänzt ihr Impfangebot um die Harmonie.