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Konfliktherd Wollhaus

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Thomas Gauß, der Vorsitzende der Einzelhändler in der Stadtinitiative Heilbronn, beschreibt seinen Gemütszustand seit Samstag "als Mischung aus Verärgerung und Schockstarre". An dem Tag las er in der Heilbronner Stimme, dass Strabag einem Abriss und Neubau des Wollhauszentrums vor der Bundesgartenschau 2019 kaum eine Chance einräumt.

"Ein Trauerspiel ohne Ende" nennt Günther Letzel die Vorgänge um das Einkaufszentrum. Das steht seit 40 Jahren am Wollhausplatz, Letzel betreibt das benachbarte Spielwarengeschäft. "Wir werden bluten, alle Nachbarn werden bluten", umreißt auch Julian Braunecker die Lage: Er hat das Reisebüro Atlasreisen in der unteren Ladenpassage des Zentrums. Wenn Ende Februar 2016 der Kaufhof endgültig schließt, sieht er schwarz für viele Läden in der direkten Umgebung.

Hoffnung, dass sich noch etwas bewegt, hat Braunecker nicht mehr. Aber, es geht ihm wie vielen Geschäftsleuten in dieser Ecke: Sie sind nicht eingebunden und informiert. Wenn bis zur Buga die Baustelle Wollhaus nicht in Angriff genommen wird, "dann ist die Lage kaputt", sagt Letzel. Eva Schnepf von Schreibwaren Seel nennt es "eine Katastrophe, wenn das über Jahre nicht entschieden wird". Thomas Gauß macht diese Rechnung auf: Die Buga endet im Oktober 2019, wenn erst danach mit Arbeiten begonnen werde, dann stehe frühestens 2021 eine Neueröffnung an. Und in der Zwischenzeit? "Leerstand oder Rudis Resterampe", malt er ein düsteres Zukunftsbild. "Zumindest darf es nicht über Jahre leerstehen": Eva Schnepf fordert, dass nach Mietern für einige Jahre gesucht wird. Die Textilkette Primark fällt ihr dabei ein.

Abriss

Tatsächlich kann kein Mietvertrag von mehr als zwölf Monaten Dauer abgeschlossen werden, ohne dass das Rathaus zustimmt. Denn die Kommunalpolitik hat seit Ende 2014 eine Sanierungssatzung erlassen. Das Ziel: Abriss und Neugestaltung des Areals. Doch die Kaufverhandlungen der Immobiliensparte des Baukonzerns Strabag mit den zwölf Eigentümern sind ins Stocken geraten (wir berichteten).

Klage

Zwei der größten Eigentümer, die Frankfurter Investoren Lisker, Lisker und Weiss sowie eine dänische Investorengruppe haben gegen die Satzung Normenkontrollklage eingereicht. Judka Lisker nennt sie eine "kalte Enteignung, ohne mit uns vorher zu sprechen". "Wir würden uns im Prinzip am liebsten beteiligen" sagt er auf Stimme-Anfrage. "Aber Strabag ist ein großer Konzern", lässt er die Gründe im Ungefähren. Gerüchteweise heißt es, das Preisangebot von Strabag an Lisker sei nicht hoch genug.

Judka Lisker aber sagt: "Wenn die Stadt will, könnten wir 2016 mit dem Umbau anfangen und nach 18 Monaten Bauzeit vor der Buga eröffnen." Vom Berliner Projektentwickler Acrest haben die Haupteigentümer Pläne für eine Totalsanierung des Haupthauses entwerfen lassen. Den Turm würde man renovieren. Die Pläne "lagen schon länger vor", behauptet der Geschäftsmann. Der frühere Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach aber habe sie stets als "Pinselsanierung" abgetan.

Geschäftsnachbar Wolfgang Palm hält nicht viel von dieser Kernsanierung: "Das wäre städtebaulich ein Rückfall in die 80er Jahre." Er plädiert für die "hochwertige Lösung" von Strabag und einer größeren Shoppingmall. Zwar würde er mit seinem Modehaus auch unter der Großbaustelle leiden – "Aber, da müssen wir durch."
 

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