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Ein Traum für 600 000 Euro

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Spaten? Von wegen. Mit halben Sachen gibt sich Mario Dürr nicht ab. In zehn Sekunden hat er raus, wie der Bagger mit dem Joystick zu steuern ist. Langsam tippt er das Instrument nach vorne. Der gefräßige Metallrachen öffnet sich und beißt gierig in die grüne Fläche. Der Bürgermeister von Neckarwestheim freut sich, dass er noch einmal die Chance als Baggerfahrer bekommt, bevor er im Juni zum Neckarelektrizitätsverband wechselt. Stefanie Rauner, Schulsozialarbeiterin und hauptamtliche Jugendhausleiterin, ist begeistert, dass es endlich losgeht: Der Termin am Hobbyland ist der offizielle Start für den Bau des neuen Jugendhauses.

Die Zeit der gelben Containerlösung geht also zu Ende. Oktober 2010 wurde dieses Provisorium am Ortseingang vis-à-vis des Kreisverkehrs aufgestellt. Und bekanntlich halten Provisorien am längsten. Der bisherige Platz mit 70 Quadratmetern im Aufenthaltsraum, zudem Büro, Teeküche und Toiletten ist begrenzt. Wenn alles reibungslos läuft, dann werden die Neckarwestheimer Jugendlichen Anfang Oktober 2016 ihre neue Bleibe beziehen können. Der Zeitplan ist straff. Ostern soll der Rohbau stehen. Pfingsten folgt der Innenausbau. Helle Räume auf 260 Quadratmetern Nutzfläche, von denen Jugendliche in anderen Orten vergleichbarer Größe (3780 Einwohner) nur träumen können.

Architektur

Das Projekt trägt die Handschrift des Abstatter Architekten Stefan Mattes. Er kleidet den Flachdachbau in eine dunkel lasierte, markante Schalung ein. Im Innern gibt es einen 100 Quadratmeter großen Gruppenraum sowie einen kleineren mit 40 Quadratmetern. Jugendhausverein und die Leitung bekommen jeweils ein kleines Büro. Die Jugendlichen finden PC-Arbeitsplätze vor, eine Lesenische und eine Küche für fantasievolle Kochprojekte, die von Josephine Rauner schon jetzt angeboten werden. "Wir freuen uns riesig für Frau Rauner und ihre Truppe", sagt Stefan Mattes.

Eine Idee seiner Planung ist ein zum Außenbereich offenes Zimmer mit einer Fläche von 42 Quadratmetern. Dieser Platz kann in den Sommermonaten als Sonnenterrasse genutzt werden. Drei breite Stufen laden zum Sitzen ein, etwa wenn eine Gruppe auf der "Freibühne" Theater aufführen möchte. Mattes: "Der Bau ist so konzipiert, dass er die Jugendlichen bei all ihrem Tun unterstützt."

Die Theke aus dem alten Jugendhaus, die die Jugendlichen selbst gezimmert haben, wird mit ins neue Gebäude umziehen. Die Wände dort sind zunächst weiß gehalten, dürfen aber laut Hauptamtschefin Carmen Klink – etwa in einem Graffitiprojekt – bunt gestaltet werden. Das war laut Josephine Rauner bislang nicht möglich. Eben weil der Container nur geliehen ist und nach Fertigstellung des Neubaus an die Firma zurückgegeben wird, wie Markus Jörger betont. Der Leiter des Bauamts beziffert die Baukosten ohne Einrichtung des eingeschossigen Gebäudes auf 596 000 Euro. Zuschüsse bekommt die reiche Gemeinde dafür nicht.

Entwicklung

Den Standort des neuen Gebäudes findet Gemeinderätin Christine Conrad "perfekt". Sie freut sich mächtig für die Jugendlichen und erwartet mit Inbetriebnahme des Neubaus wieder Aufwind für den Verein. Dem gehören laut Josephine Rauner zurzeit 30 Mitglieder an. In Bestzeiten sind 70 Besucher in die gelben Container gekommen. Und dann wurde es dort sehr, sehr eng. Über die Entwicklung der Jugendarbeit ist auch Gemeinderätin Doris Fezer sehr erfreut. Vor dem Aufstellen der Container habe man sich im Gremium schon überlegt, wie und ob das überhaupt laufe. "Von dem Zuspruch waren dann aber alle überrascht."

"Die Jugendlichen sind jetzt lange im Container gewesen. Das war nicht so toll", räumt Mario Dürr im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Er weiß das Geld gut angelegt. Etliche 9- bis 14-Jährige kommen laut Rauner regelmäßig zum KidsDay. Das ist für den Bürgermeister das Jugendhausteam von morgen.
 

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