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Flüchtlinge kommen an

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Die Realität hat die mit der Flüchtlingsunterbringung beschäftigten Stellen im abgelaufenen Jahr nicht nur eingeholt-, sondern regelmäßig überholt. Zumindest was die Zahlen angeht. Anfang des Jahres geht man in Stadt und Landkreis Heilbronn von 50, 60 Prozent mehr Flüchtlingen aus. Dann irgendwann von einer Verdoppelung. Inzwischen ist man bei einer Verdreifachung angelangt: Von 1053 Flüchtlingen Ende 2014 stiegen die Zahlen im Landkreis Heilbronn auf mehr als 3000 Menschen in der sogenannten vorläufigen Unterbringung. Heilbronn hat bis Jahresende 1300 Flüchtlinge aufgenommen.

Die Herausforderung ist entsprechend groß. Zum einen, weil Wohnraum, der für die Asylbewerber in der vorläufigen Unterbringung genutzt wird, ab dem kommenden Jahr für die Anschlussunterbringung fehlt. Zum anderen aber wegen der Mammutaufgabe Integration – so viele Menschen gleichzeitig sprachlich und kulturell zu fördern, sie fit für die Teilhabe am öffentlichen Leben und den Arbeitsmarkt zu machen, wird für Kommunen und Unterstützer nicht einfach sein.

Dabei hat man in der Region frühzeitig reagiert. In der Heilbronner Arbeitsagentur kümmert sich seit Mai eine wachsende Zahl an Mitarbeitern eigens um die Qualifikation und Vermittlung von Asylbewerbern. Zuletzt erhielten innerhalb weniger Wochen mehr als 600 Flüchtlinge in Einstiegskursen die ersten Deutsch-Kenntnisse. "Damit haben wir ein Potenzial, mit dem wir richtig gut arbeiten können", sagt Sandra Büchele, Integrationsbeauftragte der Arbeitsagentur.

Auch an den Volkshochschulen und bei anderen Bildungsträgern erleben Deutsch- und Integrationskurse inzwischen das größte Nachfrageplus. Wer hier nicht schnell unterkommt, kann manchmal aber schon ab dem ersten Tag auf die Hilfe der Ehrenamtlichen hoffen, die überall ihre Dienste anbieten. Der Deutsch-Kurs gehört zum Standard-Repertoire vieler Arbeitskreise. Allein in Heilbronner Schulen sind 55 Vorbereitungsklassen eingerichtet, die Kinder und Jugendliche in Deutsch fit machen.

Spannend bleibt es in Neuenstadt. Aus der kurzfristig und auf drei Monate befristet eingerichteten Zeltstadt auf dem Gelände der Autobahnmeisterei soll nun eine dauerhafte Einrichtung werden. Da können die Verantwortlichen nur von Glück sprechen, dass ein nasskalter oder frostiger Winter bislang ausgeblieben ist.

Hilfsbereitschaft und Ängste

In Heilbronn hält die Stadtverwaltung lange an der Strategie fest, Flüchtlinge nicht in Turnhallen unterzubringen. Als die Zahlen auch hier immer weiter ansteigen, muss die Stadt die Pläne ändern. Drei Sporthallen – in Horkheim, im Olga-Familienzentrum und im Augärtle – sind für Flüchtlinge umgerüstet. 45 Wohnungen und andere Unterkünfte hat Heilbronn mit Flüchtlingen belegt.

Vielerorts ähnlich: Wo größere Flüchtlingsgruppen einquartiert werden, äußern Anwohner Sorgen und Ängste. Der stärkste Unmut wird rund um den Gesundbrunnen laut, als Bürger gegen die Nutzung eines ehemaligen Wohnheims am SLK-Krankenhaus protestieren. Kurz vor Weihnachten ziehen die ersten Flüchtlinge ein.
Auf der anderen Seite stehen jedoch viele Ehrenamtliche, die offen auf die Neuankömmlinge zugehen, sie bei Behördengängen begleiten und ihnen helfen, sich im deutschen Alltag zurechtzufinden. Mehr als 350 Heilbronner sind in zehn Arbeitskreisen aktiv. Mit besonderer Fürsorge kümmert man sich von Seiten der Stadt mit Betreuern, Ärzten und ehrenamtlicher Hilfe auch um die Gruppe traumatisierter Frauen und deren Kinder, die aus einem Sonderkontingent des Landes Heilbronn zugewiesen wurden.
 

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Am 29. Oktober öffnen die Heilbronner Geschäfte bis 22 Uhr ihre Türen.