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Sarma und Sahnetorte

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"Wir möchten etwas kochen und mit euch feiern", sagte Alamdar Hussein. Der Pakistani kegelt regelmäßig mit seinen Freunden in Weinsberg und genießt die familiäre Atmosphäre. "Dann feiern wir mit allen Flüchtlingen gemeinsam", nahm TSV-Abteilungsleiterin Elisabeth Germann die Idee auf. Daraus ist nicht nur ein internationales Buffet geworden, zu dem jeder etwas beitrug, sondern auch gelebte internationale Gemeinschaft in der Weinsberger Hildthalle mit 180 Teilnehmern einschließlich ehrenamtlichen Helfern. Die Stadt übergab den Saal kostenlos.

Nicht nur Weinsberger Flüchtlinge, die in drei unterschiedlichen Unterkünften leben, auch Flüchtlinge aus Obersulm und Ellhofen, die von der Initiative Asyl Sulmtal betreut werden, waren bei der Feier dabei. Der Kontakt kam über Angela Jeschonnek in Weinsberg und Ortrud Kestner-Köcher in Obersulm zustande. "Wir können doch etwas gemeinsam machen", meinten die ehrenamtlich engagierten Frauen. Zwei Wochen hatte ein siebenköpfiges Team geplant, in Unterkünften Anmeldelisten ausgelegt, Einkaufszettel geschrieben, Aufgaben verteilt. Die Ausgaben werden sich die Freundeskreise Asyl teilen.

"Es ist ein Experiment", meinten die Mitglieder und blickten erwartungsvoll auf den Nachmittag in der Hildthalle. Bereits am Vormittag wurden die Tischreihen mit gespendeten Weihnachtssternen, Mandarinen und Äpfeln dekoriert, Buffet-Tische im Foyer vorbereitet. Von einer Heilbronner Bäckerei stammten Gebäck und Christstollen. Je mehr Gäste kamen, umso reichhaltiger und internationaler wurde das kulinarische Angebot. Zehn Kilo Reis hatte Alamdar Hussein mit seinen Mitbewohnern Hassnain Haider, Saijd Hussein und Adif Hussein in das pakistanische Baraini-Reis-Hühnchen-Gericht verwandelt und in großen Töpfen transportiert.

Sarma, die serbischen Reiswickel von Nikola Bacalanovic, schmorten drei Stunden im Container-Backofen. Burek, gefüllte Teigtaschen, von Senol Osmanov aus Mazedonien gesellten sich zu den Gerichten. Afrikanisches Fladenbrot backte Tesfaldet Gebrezgiabihrer aus Eritrea, und seine Cousine Assii Dawit machte den typischen Kartoffel-Tomaten-Eintopf. Süßes Gebäck machte Kamlin Isso aus Syrien. Alle waren stolz, etwas aus ihrem Land beigesteuert zu haben. Unbekanntes und Bekanntes wechselte sich ab. Auch schwäbischer Kartoffelsalat und deutsche Sahnetorte standen auf den Tischen.

Dekan Georg Ottmar berichtete auf Deutsch und Englisch über das "größte christliche Geburtstagsfest", und wie es in Deutschland gefeiert wird. "Wir feiern mit Familie und Freunden, und das tun wir heute mit Ihnen", sagte er.

Jingle Bells

Marcus Trübendörfer setzte sich ans Klavier und begleitete die Feier. Der Musiklehrer sagte spontan honorarfrei zu. "Wenn jeder etwas Kleines macht, kommt etwas Großes dabei raus", meinte er. Auch Liedblätter für deutsche Weihnachtslieder hatte er dabei. Beim "Jingle Bells" trauten sich auch die Englisch sprechenden Erwachsenen mitzusingen.

Zauberei

Der Arbeitskreis Asyl Sulmtal integrierte eine Spielecke für 20 Kinder, die rege genutzt wurde. Große Augen bekamen die Kleinen, als sie der Nikolaus rief und ein kleines Geschenk aus dem Sack holte. Große Augen bekamen auch die Erwachsenen, als zum Schluss Peter Siebert aus Leingarten als Zauberer seine Illusionen vorführte. "Es ist gut", meinte ein strahlender Alamdar Hussein am Abend.

Initiativen

Die Initiative Asyl Sulmtal wurde vor eineinhalb Jahren vom Ehepaar Württemberger/Kolleth gegründet. Heute engagieren sich rund 30 Bürger für die Flüchtlinge in Obersulm, Ellhofen und Löwenstein. Es finden regelmäßige monatliche Treffen statt.

Der Freundeskreis Asyl in Weinsberg besteht seit sieben Monaten. Es gibt regelmäßig Unterstützung beim Deutschlernen und Sportangebote. Ab Januar ist eine Café international in der ehemaligen Vinothek zum regelmäßigen Austausch und zur Kontaktaufnahme geplant.




 

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