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Neue Pläne für das Wollhaus

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Die Eigentümer des Heilbronner Wollhauszentrums gehen in die Offensive: "Wir wollen der Legende von der Pinselsanierung ein Ende bereiten," sagt Matthias Schmitz, geschäftsführender Gesellschafter des Projektentwicklers Acrest in Berlin. "Wir wollen den Einzelhandelsstandort Wollhauszentrum repositionieren."
Acrest möchte das aus den 70er Jahren stammende Gebäude grundlegend sanieren und größtenteils neu aufbauen. Dazu soll das Haus bis auf das tragende Stahlbetonskelett entkernt werden. Auf bis zu 20 700 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen bis zu zehn Großflächenmieter unterkommen und mehr als zehn kleinere Ladengeschäfte.

Nicht nur in der inneren Erschließung der Geschäfte, die sich auf einer Ebene oder über mehrere Etagen ausdehnen, wollen die Berliner das Wollhaus völlig neu aufteilen. Fassaden und Zugänge sollen neu gestaltet werden.

Fleiner Straße wird zur Mall

"Wir wollen keine Mall, die einen einzigen Eingang hat, der wie ein Staubsauger die gesamte Frequenz aus der Fußgängerzone in ein geschlossenes Haus zieht und damit für alle anderen Geschäfte die Frequenz tötet," sagt Matthias Schmitz im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. "Wir machen die Fleiner Straße zur Mall." Die großen und kleineren Läden sollen ihre Eingänge direkt an der Fleiner Straße, an der Straße Am Wollhaus und beim Busbahnhof haben. Die Tiefe des Wollhauses würde man künftig nicht mehr über eine zentrale (und derzeit nicht natürlich belichtete) Ladenstraße begehen, sondern jeweils über die einzelnen Geschäfte.

Acrest ist Partner der Frankfurter Geschäftsleute um Judka Lisker, denen die Ladenpassage gehört, und des dänischen Unternehmens Tyskland, Eigentümer der derzeitigen Kaufhof-Flächen. Kaufhof wird bis Ende 2015 diesen Standort schließen. Damit verliert das Wollhaus seinen Hauptmieter und Anziehungspunkt für die Kunden.

Stadtverwaltung und Gemeinderat setzen bisher bei der Neuordnung dieser zentralen Stelle der City auf andere Investoren – und eine völlig andere Lösung: Mit Strabag Real Estate (die Immobiliensparte des Kölner Baukonzerns baute in Stuttgart das Einkaufszentrum Milaneo) sowie dem Einzelhandelsunternehmen ECE, das seit 2008 die nahe gelegene Stadtgalerie mit 75 Läden betreibt, hat die Stadt Heilbronn vertraglich vereinbart, dass Strabag die Flächen von den derzeitigen Mietern kauft und das Wollhauszentrum samt Turm abreißt. An gleicher Stelle soll ein deutlich größeres ECE-Einkaufszentrum entstehen, das sich auch über die Fläche des bisherigen Busbahnhofs erstreckt. Geplant sind mindestens 20 000 Quadratmeter, genauere Pläne wurden bislang nicht veröffentlicht. Im Zuge der Neubebauung möchte die Stadt die Straßenführung und den Busbahnhof verlegen.

Mieter

Acrest hält seine Idee für "viel cooler als eine Mall" und nachhaltiger, verweist auf neue Entwicklungen im innerstädtischen Handel weg von geschlossenen Ladenstraßen. Als mögliche Hauptmieter werden Peek & Cloppenburg, H&M, TK Maxx, ein Sportgeschäft sowie ein Lebensmittel-Vollsortimenter genannt. Bei Sportartikeln und Lebensmittel setzt man auf regionale Anbieter wie Intersport und die Schwarz-Gruppe. Acrest nennt 27 Millionen Euro Investitionen, plus die Immobilien- und Grundstückskosten, Bauzeit zwei Jahre. "Wir wollen zur Buga 2019 fertig sein", sagt Projektleiter Peter Lefeber – man wäre damit vermutlich schneller als bei einer Neubebauung.

Den Turm möchte Acrest als Ärztehaus erhalten. Zum einen seien Einkaufszentrum und Turm wegen der Statik in einer Art "Zwangsehe" verbunden. Andererseits sei das Gebäude als "Landmarke" an dieser Stelle der Stadt wichtig und könne als Imageträger wirken.

"Unglücklich über die Behandlung durch die Stadt", sind Matthias Schmitz (42) und Peter Lefeber (41). Man habe mehrfach persönlich mit Repräsentanten der Stadt gesprochen, unter anderem mit Baubürgermeister Wilfried Hajek, Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass, auch einmal mit OB Harry Mergel. "Aber wir sind nicht mit offenen Armen aufgenommen worden und auf wenig Gehör gestoßen." Noch hofft Acrest, die Chance zu bekommen, die eigenen Pläne dem Gemeinderat und der Bevölkerung präsentieren zu können.

Klage

Gleichwohl hat man inzwischen einen Normenkontrollantrag gegen den Ratsbeschluss gestellt, der im November 2013 mit der Ausweisung eines Sanierungsgebietes die Grundlage für den Abriss legte. Die Satzung sei "unrechtmäßig erlassen" worden, meint Acrest, und erwägt deshalb eine Klage.

Neuigkeiten

Wie Oberbürgermeister Harry Mergel am folgenden Tag die Veröffentlichung der Bilder kommentierte, könnt ihr hier nachlesen. 

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