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Die Spätentschlossene

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Wäre es nach ihrer Mutter gegangen, Louisa Perry würde heute Fagott spielen. "Klarinette spielt doch jeder", hat sie ihrer Tochter damals gesagt. Die kleine Louisa hatte sich da aber schon längst für das kleinere der beiden Holzblasinstrumente entschieden. Auch weil ihr der Klarinetten-Part in Sergei Prokofjews "Peter und der Wolf" so gut gefiel.

Im Mai, neun Jahre später, steht Perry auf einer Bühne in Hamburg und gewinnt beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" einen Ersten Preis. Eine ganz besondere Stimmung sei in der Stadt zu spüren gewesen, erzählt die Musikerin.

Gespielt hat sie Eugène Bozzas "Fantaisie Italienne", Ilse Fromm-Michels "Stimmung eines Fauns" und den dritten Satz von Franz Anton Hofmeisters Klarinettenkonzert in B-Dur. Das zweite Stück spielt sie allein, bei den anderen beiden wird sie von Stanislav Dimitrov, einem Studenten der Musikhochschule Stuttgart, am Klavier begleitet.

Schrecksekunde

"Wir haben uns vorher gar nicht so oft getroffen. Es hat einfach super funktioniert", freut sich die 17-jährige Heilbronnerin. Dabei gibt es direkt zu Beginn des Vorspiels eine Schrecksekunde: Das Blättchen im Mundstück ihrer Klarinette hängt schief, die Töne wollen nur gequetscht rauskommen. Perry spielt weiter, so gut es eben geht, beim nächsten Solo-Part des Klaviers kann sie das Blättchen richten. Für die Jury wohl kein großes Problem.

Zwar spielt die Elftklässlerin schon seit 2006 Klarinette, so richtig ernst ist es aber erst in den letzten Jahren geworden. Vorher habe sie nicht wirklich viel geübt, gibt Perry zu. Das Umdenken kam bei einem Kammermusik-Kurs im Herbst 2013 in Trossingen. Sie sah andere talentierte Jungmusiker. "Da hat’s mich gepackt", erinnert sich Perry.

Kein Jahr später steht sie das erste Mal im Bundesfinale von "Jugend musiziert" – mit einem Quintett aus Schwäbisch Hall. Kurz darauf erhält sie die Begabtenförderung der Musikschule Heilbronn zugesprochen. Neben den Stunden bei ihrer Lehrerin Marion Potyka bekommt sie jetzt auch Unterricht vom Solo-Klarinettisten Julius Kircher.

Barock

Auch musikalisch hat sich die Jungmusikerin weiterentwickelt. "Am Anfang fand ich nur Romantik toll", erinnert sich Perry. Mittlerweile kann sie auch mit Klassik und Barockmusik etwas anfangen. Nur an moderne Musik wagt sie sich noch nicht.

Und Louisa Perry will auch in Zukunft die Musik ernst nehmen. Für das kommende Jahr peilt sie die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule an. Um den Aufnahmebedingungen gerecht zu werden, lernt sie jetzt noch Klavier.

Zukunftsmusik

Wo es hingehen wird, weiß die 17-Jährige noch nicht genau, hat aber schon einen klaren Favoriten: Weimar. Thorsten Johanns, ein Professor der dortigen Musikhochschule, saß in Hamburg in der Jury. Perry würde gerne bei ihm studieren.

Ihr Instrument liebt sie immer noch wie am ersten Tag, auch wenn sie jetzt statt Prokofjew lieber Brahms spielt. Vielseitig sei die Klarinette und sie habe einen besonders großen Tonumfang, schwärmt Perry. Das Tollste für sie: "Man kann den Ton aus dem Nichts kommen lassen."

 

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