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Mehr junge Arbeitslose

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Die Arbeitslosigkeit im Land und in der Region ist im Juli leicht gestiegen. Grund für den Anstieg sind in erster Linie Auszubildende, die von ihrem Betrieb nicht übernommen wurden und sich deshalb arbeitslos melden. Dieses Phänomen treibt die Arbeitslosenzahlen in jedem Sommer nach oben (siehe Interview).

Im Agenturbezirk Heilbronn waren im Juli 261 Männer und Frauen mehr ohne Arbeit als noch im Juni – insgesamt registrierte die Arbeitsagentur 10 336 Erwerbslose. Die Quote stieg von 3,9 auf 4,0 Prozent. Im Stadtkreis Heilbronn lag die Quote bei 5,9 Prozent, im Landkreis bei 3,4 Prozent. Für Agenturleiter Jürgen Czupalla eine zwar ärgerliche, aber übliche saisonale Erscheinung. "Ebenso wie das winterliche Tief und die Frühjahrsbelebung kennen wir diese Eintrübung im Sommer", sagt Czupalla. Die Zahlen verdeutlichen, dass tatsächlich primär die jungen Leute für den Anstieg verantwortlich sind. Die Jugendarbeitslosigkeit erhöhte sich um 195 Männer und Frauen auf 1023 Arbeitslose. Die Quote legte deutlich von 2,8 Prozent im Juni auf jetzt 3,4 Prozent zu.

Eine leicht positive Entwicklung verzeichnete die Heilbronner Agentur dagegen bei den Arbeitslosen in der Grundsicherung (Sozialgesetzbuch II, Hartz IV). Hier ist die Zahl der vom Jobcenter betreuten Personen um 43 auf nun 6241 Arbeitslose gesunken. In der Arbeitslosenversicherung (SGB III) gab es hingegen einen Anstieg um 304 Personen auf 4095 Erwerbslose.

Rückläufig war im Juli auch die Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Agentur wurden 1144 neue Stellen gemeldet, das waren 114 weniger als noch im Juni. Der Stellenbestand liegt nun bei 3670 (plus 3,4 Prozent).

Hohenlohe stabil

Im Hohenlohekreis waren im Juli 108 Menschen mehr ohne Job als im Vormonat. "Das ist vollkommen normal und unkritisch", sagt Thekla Schlör, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Viele Jugendliche würden sich nach beendeter Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos melden, im September oder Oktober aber eine Stelle oder einen Studienplatz sicher haben. "Diese Entwicklung ist typisch für den Juli." Die Arbeitslosenquote stieg somit im Vergleich zum Juni um 0,2 auf 3,0 Prozent. 1934 Arbeitslose zählte die Agentur. "Insgesamt ist der Arbeitsmarkt in der Region sehr stabil. Der Blick vieler Akteure liegt jetzt auf dem Ausbildungsmarkt", sagt Thekla Schlör.

Das neue Ausbildungsjahr beginnt im Oktober. Seit Oktober 2014 meldeten sich 3820 Bewerber im Agenturbezirk, der die Kreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Neckar-Odenwald umfasst. Das sind 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Arbeitgeber meldeten 5374 Lehrstellen, ein Plus von 6,8 Prozent. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage in bestimmten Berufen klafft also immer weiter auseinander. "Oder die Qualifikation der Bewerber passt nicht zu den Anforderungen des Ausbildungsberufs. So bleiben zu viele Stellen unbesetzt", beklagt Schlör.

Neues Konzept

Eine neue Strategie, um diese Lücke zu schließen, ist das Konzept "Assistierte Ausbildung". Es kommt nicht nur benachteiligten Jugendlichen zugute, sondern vor allem kleinen und mittleren Betrieben. "Sie kommen schnell an ihre Grenzen, wenn Auszubildende mehr Unterstützung brauchen", weiß die Agenturleiterin. Dahinter stecke vor allem ein großer bürokratischer Aufwand. Der Assistent managt die Ausbildung gemeinsam mit den Betrieben und unterstützt beide Seiten. Eine Stelle für zwölf Ausbildungsplätze steht dafür 2015 in den Kreisen Hohenlohe und Schwäbisch Hall zur Verfügung. 2016 soll das Programm weiter ausgedehnt werden. "Wir versprechen uns von diesem neuen Ansatz, dass mehr betriebliche Ausbildungsverträge zustande kommen, Ausbildungsverhältnisse stabilisiert und Abbrüche verhindert werden", erklärt Schlör.

Der Trend in der Region gilt auch für ganz Baden-Württemberg. Mit 224 016 Arbeitslosen waren im Juli 5014 mehr Männer und Frauen ohne Job. Die Quote stieg von 3,7 auf 3,8 Prozent. Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg, sieht dennoch eine weiterhin anhaltende Marktdynamik. Verstärkt will Rauch das Augenmerk der Arbeitsagentur auf die Langzeitarbeitslosen legen, die nicht von dieser Dynamik profitieren. "Unser Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren mindestens 1500 Menschen, die länger als zwei Jahre arbeitslos und über 35 Jahre alt sind, wieder am Markt zu platzieren", erklärt Rauch und verweist auf das Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose, das mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird.

Förderung

Nach Ansicht der Diakonie Württemberg zeige sich immer deutlicher, dass Langzeitarbeitslose ohne öffentlich geförderte Beschäftigung keine Chance mehr zur Integration in Arbeit bekommen. Die Diakonie fordere dies seit langem und habe mit dem Passiv-Aktiv-Transfer ein realistisches Finanzierungskonzept vorgelegt.

 

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