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Junge Einwanderer wollen lernen

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Tabassum Baigi möchte Mechaniker werden. Der 20-Jährige kam vor 16 Monaten aus Pakistan nach Deutschland und wohnt in einer Unterkunft in Bretzfeld. Seit März besucht er eine Klasse an der berufsbildenden Richard-von-Weizsäcker-Schule. So kommt er seinem Berufsziel etwas näher.

Baigi absolviert ein sogenanntes "Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf" für Schüler ohne Deutschkenntnisse (VABO). Dabei sollen er und seine 14 Mitschüler, die aus Pakistan, Afghanistan und Gambia kommen, vor allem die Sprache lernen. 30 Wochenstunden sind angesetzt, davon 16 für Deutschunterricht reserviert. Berufsschulen setzen ganz besonders auf die praktische Ausbildung. Dazu gehört an der Öhringer Schule die Holzverarbeitung. Die jungen Einwanderer lernen aber auch Kochen und wie man einen Computer bedient. Außerdem steht die deutsche Kultur auf dem Stundenplan. Wichtig ist die Kontaktpflege zu anderen Jugendlichen und möglichen Arbeitgebern. Baigi findet das gut: "Die Schule ist wichtig zum Lernen."


Gefälle

 

Schulleiter Uwe Stiefel stellt fest: "Die Schüler sind alle sehr motiviert und dankbar. Jede Woche merkt man, dass sie etwas dazulernen." Das Gefälle sei groß. Manche Schüler waren in ihren Heimatländern einige Jahre in der Schule, andere hatten dazu nicht die Gelegenheit. Deshalb gebe es auch Analphabeten, sagt Stiefel. "Wenn wir diese Menschen beschäftigen und integrieren wollen, müssen sie Deutsch lernen", erklärt er.

Die Schüler in Öhringen sind 18 bis 21 Jahre alt. Eine Sprecherin des Kultusministeriums sagt, dass auch ältere Schüler aufgenommen werden können, sobald alle anderen versorgt sind.

In allen 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs gibt es solche Flüchtlings-Klassen an Berufsschulen, wie ein Sprecher des Kultusministeriums erklärt – auch an der Karoline-Breitinger-Schule in Künzelsau. Dort sind es inzwischen sogar schon drei mit jeweils zehn Schülern, die aus Syrien, Gambia und europäischen Ländern kommen, sagt Rektor Volker Stephan.

Zu Beginn des laufenden Schuljahrs wurden in ganz Baden-Württemberg 109 Klassen gebildet. Weil immer mehr Flüchtlinge ins Land kommen, wurden daraus schnell 50 Klassen mehr. Im Schuljahr 2013/14 lag die Zahl nur bei 33.


Kosten

 

Für die Schulbildung von jungen Flüchtlingen an berufs- und allgemeinbildenen Schulen zahlt die Landesregierung im Jahr 2015 insgesamt 11,7 Millionen Euro, 2016 sind es 13 Millionen. Außerdem werden zunächst 165 Lehrerstellen und bis Ende nächsten Jahres noch einmal 66 geschaffen. Für Materialien zahlt der jeweilige Stadt- oder Landkreis nach dem Finanzausgleichsgesetz pro Schüler einen bestimmten Betrag. Für Vollzeitschüler sind das zur Zeit landesweit 1067 Euro im Jahr. Davon werden auch Hausmeister, Sekretariate, Strom, Wasser und andere Nebenkosten bezahlt. Die Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule plant, das Angebot zu erweitern, sagt Leiter Uwe Stiefel sagt. Weil für diesen Sommer 300 neue Flüchtlinge angekündigt sind, wird es dort ab dem folgenden Schuljahr zwei weitere Klassen geben.


Pflegeausbildung?

 

In Künzelsau sind für das Schuljahr 2015/2016 vier Klassen geplant. Rektor Volker Stephan sagt, er würde gerne zusätzlich eine Pflegeausbildung anbieten, da Pflegeheime immer wieder nach Personal, auch nach Zuwanderern, fragen. Meist sei aber deren Deutsch nicht gut genug. Stephan hält das Bildungsangebot deshalb für erfolgversprechend. Durch verpflichtende Praktika böten die jeweiligen Firmen den Schülern immer wieder Ausbildungsstellen an. Das Modell an Berufsschulen gibt es schon seit 20 Jahren, es hieß bis vor kurzem "Berufsvorbereitungsjahr für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse".

Wenn Tabassum Baigi das Jahr erfolgreich beendet, kann er bald einen Abschluss machen, der dem Hauptschulabschluss gleichkommt. Damit stehen ihm die Türen zu einer Ausbildung offen.

 

 

 

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