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Lebensretter gesucht

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Die Überlebenschance bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand liegt in Deutschland derzeit bei 1,8 Prozent. In den USA liegt die Chance bei 60 Prozent. Diese erschreckend unterschiedlichen Zahlen nennt Klaus Dietrich von der Björn-Steiger-Stiftung. Aber er weiß, wie sich die Zahlen angleichen lassen: indem die Menschen im Umgang mit dem Defibrillator geschult werden und wissen, wie sie im Notfall handeln müssen.

 

Finanzierung


Klaus Dietrich stellt das Projekt "Retten macht Schule" an der Pfedelbacher Realschule vor. Hier weist er ein Dutzend Lehrer und eine Handvoll Schüler in die Arbeit mit dem AED-Gerät (Automatisierter Externer Defibrillator) ein. "Einige Betriebe aus Pfedelbach und Neuenstein haben unserer Schule einen Defibrillator finanziert", erzählt Rektorin Ulrike Müller. "Auch wenn wir hoffen, dass das AED-Gerät nie zum Einsatz kommt – es ist wichtig, dass alle wissen, wie es funktioniert."

Wenn ein Mensch bewusstlos aufgefunden wird, müsse zuallererst die Atmung überprüft werden. "Weist die Person keine Atmung oder Lebenszeichen auf, dann muss schnellstmöglichst der Notarzt gerufen werden", schärft Klaus Dietrich ein. Als nächstes folge die wichtigste Maßnahme: die Herzdruckmassage. 30 Mal muss in gleichbleibend schnellem Tempo einige Zentimeter tief auf den Brustkorb gedrückt werden. An einer Dummy-Puppe führt Dietrich die Bewegung durch. Es macht knacksende Geräusche. "Beim Menschen kann es auch vorkommen, dass der Brustkorb ein wenig knackst", erklärt er. "Das braucht einen aber nicht aus dem Konzept zu bringen."

"Kann man dem Patienten nicht mehr schaden als helfen, wenn man einen Fehler macht?", fragt eine Lehrerin. "Man kann einen Patienten durch eine Reanimationsmaßnahme nicht schädigen", betont Klaus Dietrich. Bei Herzrhythmusstörungen kommt nach der Herzdruckmassage das AED-Gerät zum Einsatz. Sobald der Defibrillator eingeschaltet wird, beginnt er von selbst, Anweisungen zu geben. Elektrolyte müssen auf der Brust angebracht werden. "Das Gerät analysiert nun den Herzrhythmus", sagt Dietrich.

 

Schocktaste


Dieter Busch, Leiter des Schulsanitätsdienstes, hört dem Vortrag gespannt zu. Er wird seinen Schülern künftig die Einweisung in die Arbeit mit dem AED-Gerät geben. Die anwesenden Schüler wollen sich noch nicht so ganz an die neue Materie heranwagen. "Ich will das nicht vor den ganzen Lehrern machen", flüstert eine Siebtklässlerin ihrer Freundin zu.

 

Übungsszenario


Nur Anke aus der zehnten Klasse erklärt sich bereit, mit Dieter Busch ein Übungsszenario durchzuspielen. "Anke, ruf’ schnell den Notarzt, unser Patient hat keinen Puls", ruft Busch seiner Schülerin zu, während er die Herzdruckmassage an der Puppe übernimmt. Fachmännisch bringt er die Elektrolyte an. Das Gerät sagt: "Achtung! Patienten nicht berühren, Herzrhythmus wird analysiert." Einige Sekunden später empfiehlt es, einen Schock auszulösen. Anke darf die Schocktaste drücken. "Beim Schock dürfen Sie nicht mehr als ein schwaches Zucken erwarten", sagt Dietrich. Ein plötzliches Aufschrecken, das gibt es nur im Fernsehen.




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