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Wunsch nach einem Miteinander

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Da staunen die Organisatoren Daniel Febel und Dorothea Färber vom Evangelischen Jugendwerk Öhringen (EJÖ) am Sonntagnachmittag nicht schlecht. Immer mehr Menschen strömen ins Haus der Jugend, um am interreligiösen Gespräch teilzunehmen Das EJÖ hatte in Kooperation mit der Moschee-Jugend Öhringen und der Jüdischen Gemeinde Heilbronn eingeladen. Die Stühle reichen nicht aus. Es sind mehr als 50 Personen, die sich an diesem Nachmittag für das Thema "In welcher Welt wir leben wollen" interessieren.
 

Betroffenheit


Überwiegend sind es junge Christen und Muslime, die sich eingefunden haben. Es ist jedoch kein junger Jude dabei. Avidal Toren (75), Gründerin der rund 100 Mitglieder starken Jüdischen Gemeinde Heilbronn, erklärt, dass der Nachwuchs nach wie vor nicht bereit sei, sich in der Öffentlichkeit zu outen. "Rund 98 Prozent unserer Kinder sind ostdeutscher Abstammung", betont sie. "Sie wollen nicht, dass die Mitschüler von ihrem jüdischen Glauben erfahren." Torens Nachricht macht betroffen.

Der offene, neugierige Umgang untereinander in der Diskussionsrunde ist erstaunlich. An einem großen Tisch sitzen geladene Gäste, um sich auszutauschen. In einem großen Kreis drumherum, nehmen Zuhörer Platz. Fragen über Fragen stehen bereits nach kurzer Zeit im Raum und werden ausgiebig erläutert. "Was glauben wir eigentlich", will Daniel Febel wissen. Moritz Müller (18), Christ aus Kupferzell, ist der Meinung: "Wir glauben alle an einen Gott." Diese Aussage wirft neue Gedanken auf. "Die Frage ist, was denken wir über Gott, wie beschreiben wir ihn", betont Muslim Denis Dogan aus Neuenstein. Die Auslegung des Glaubens geht in unterschiedliche Richtungen. "Jesus ist bei uns ein Prophet und wir warten auf die Rückkehr des Messias", teilt ein Muslim mit. 

 

Ziel


Wohin gehe denn das Ziel? Für Avidal Toren sollte das Ziel aller Menschen sein, sich zu verstehen. Aber keiner dürfe in seinem Glauben gestört werden. "Wenn wir Frieden mit den Menschen haben, haben wir auch Frieden mit Gott", betont ein Muslim. 

Christin Jasmin Söhner, Doktorandin aus Stuttgart, erinnert an den großen Flüchtlingsstrom und die Kriege. Es sei etwas, das es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in dieser Form gegeben habe.

Avidal Toren will von den Muslimen wissen, warum der IS Menschen ermordet. "Das sind keine Muslime", ruft ein Zuhörer. "Die Muslime, die im Raum sind, distanzieren sich von der IS." Dschihad bedeute Bemühung und nichts anderes, betont Denis Dogan. Für den IS bedeute das Wort jedoch "kämpfen". Auch der Begriff Scharia werde falsch interpretiert. Scharia im eigentlichen Sinne sei das islamische Recht und nichts Anderes. 
 

Ausgrenzung


Daniel Febel möchte wissen, wie die Anwesenden die Situation in Öhringen wahrnehmen. Zwei muslimische Mädchen erzählen von ihren Erfahrungen in der Schule und stellen dar, dass bereits hier eine Art der Ausgrenzung statt findet. 

 

Konsens


"Was wollen wir in dieser Welt", fragt Febel in die Runde. Der Konsens: Ein friedliches Miteinander, Andersgläubige besser kennenlernen, jeden in seinem Glauben respektieren, auf andere zugehen und Vorurteile abschaffen. Nach dem offiziellen Teil gehen die Anwesenden noch nicht auseinander. Sie haben noch viel zu erzählen und zu besprechen. Febel resümiert: "Ich glaube, dass das ein ganz guter Anfang war und wir weitermachen müssen." Es sei ein offenes und ehrliches Gespräch gewesen. 



 

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