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Die Moschee füllt sich mit Leben

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Leicht ist Bayram Karaduman der Umzug von der Dreisam an den Neckar offensichtlich nicht gefallen. "Oh, Freiburg – eine schöne Stadt", sagt das neue geistliche Oberhaupt der Neckarsulmer Moschee. Dennoch freut er sich über seine neue Aufgabe. "Es ist hier ein Ballungszentrum, sehr interessant." Und: "Eine so weltoffene Moschee wie hier – das ist nicht selbstverständlich."

Der Bau ist inzwischen fertig, es zieht nach und nach Leben ein in den mächtigen Komplex. Im Innenhof wird gerade der Grill gesäubert. Über die Mittagszeit haben Freiwillige der türkischen Gemeinde hier einen Stand aufgebaut. Dahinter ist provisorisch ein größerer Raum als Imbiss und Treffpunkt eingerichtet. "Was wir hier einnehmen, kommt dem Verein zugute", sagt Yilmaz Kocak, der Vorsitzende des Moscheevereins "Kulturzentrum für Bildung und Integration". Gleich nebenan werden Haare geschnitten. Und lebhaftes Treiben herrscht im Jugendtreff der Moschee. Mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche vertreiben sich die Zeit mit Tischkicker und Tischtennis. Am Stand werden Getränke und Süßigkeiten verkauft.

 

Gäste


"Das ist offen für jeden, der kommen möchte", sagt Kocak. Zum Beispiel auch für die Flüchtlinge, die hier seit Monaten fast wöchentlich zu Gast sind – für Sprachkurse, aber auch für die Betreuung der Kinder durch den Freundeskreis Asyl. Vereinssprecherin Margit Hansen ist froh um die Möglichkeiten, die die Kirchen einerseits und die türkische Gemeinde andererseits bieten. Allerdings, das sagt sie auch, komme man mit der Vielzahl an Flüchtlingen zunehmend an Grenzen

Noch ist die Moschee nicht vollständig bezogen. In den nächsten Monaten sollen Friseursalon und Imbiss vermietet werden, um dauerhafte Einnahmen zu sichern. Und dann ist da noch das Schülerwohnheim. Mitte September, zum Start des Schuljahrs, sollen die ersten 24 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren einziehen. "Mit dem Landesjugendamt ist so weit alles geklärt", sagt Kocak. Letzte Unterlagen würden in diesen Wochen eingereicht. Dann brauche es zwei Pädagogen oder Heimerzieher sowie einen Koch, um das Wohnheim zu betreiben. Und einen Fachdienst. Da darf Yilmaz Kocak sich selbst eintragen, wie er erzählt.

Die formalen Voraussetzungen bringe er mit. So hat der Mann, der den millionenschweren Moscheebau gemanagt und teils mit seiner Firma ausgeführt hat, der das pädagogische Wohnheim-Konzept erstellt und mit den Behörden abgestimmt hat, nun noch eine weitere Aufgabe. Was genau auf ihn zukommt, weiß er noch nicht. Aber: "Irgendjemand muss es ja machen", sagt der 46-Jährige.

 

Nicht elitär


Demnächst werden sich die Männer also mit der Auswahl neuer Bewohner beschäftigen. Genügend Anfragen liegen schon vor. Nur Jungs sollen aufgenommen werden. Das Einzugsgebiet sei das Heilbronner Umland. "Aber wir haben auch Anfragen aus Künzelsau und der Mosbacher Gegend", so Kocak. Es werde weder angestrebt, eine Elitetruppe heranzuziehen, noch Problemkinder aufzunehmen. 

Bayram Karaduman freut sich auf die Jugendlichen. "Es wird spannend." Ziel sei, die Kinder gut aufzuziehen, zu begleiten. "Und wir wollen zur Integration beitragen." Sein Vorgänger Abdullah Kaplan war nach 13 Monaten abberufen worden. Nicht alles scheint gepasst zu haben, lässt man durchblicken. Der neue Imam soll länger hier bleiben. Allerdings sei es inzwischen die Regel, dass das religiöse Oberhaupt der Gemeinde etwa alle vier Jahre gewechselt wird. Eine so lange Ära wie unter Ali Sandikcioglu, der mehr als 20 Jahre Imam in Neckarsulm war, wird es wohl nicht mehr geben.



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