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Taxifahrer verurteilt

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Das Amtsgericht hat gestern einen Taxi-Fahrer wegen sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Richter verhängten außerdem ein Berufsverbot von drei Jahren. Der 34-Jährige muss 70 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und seinen Opfern, zwei weiblichen Fahrgästen, jeweils 1000 Euro zur Schadenswiedergutmachung zahlen.

Der Taxi-Fahrer hatte in einer Oktobernacht 2009 einer damals 20-Jährigen, die er von Heilbronn heim nach Gundelsheim fahren sollte, an die Brust und in den Schritt gegriffen. Die junge Frau geriet so in Panik, dass sie aus dem Wagen auf den Gundelsheimer Friedhof flüchtete und sich hinter einem Grabstein versteckte, um dem Taxi-Fahrer zu entkommen. Bis heute hat sie Panikattacken, Schlafstörungen und steigt in kein Taxi mehr ein.

Rund vier Jahre später kam es zum zweiten Übergriff: Der 34-Jährige holte nachts eine damals 21-Jährige aus Obereisesheim ab und sollte sie zu einer Disco nach Heilbronn fahren. Auch dieser jungen Frau griff er an die Brust und in den Schritt. "Es war heftig, schließlich fahre ich Taxi, um sicher von A nach B zu kommen", sagte das Opfer gestern vor Gericht aus. Nach dieser Erfahrung fährt sie nicht mehr allein Taxi, "ich setze mich auf jeden Fall nicht mehr auf den Beifahrersitz".

Der Taxi-Fahrer hatte in dem Prozess zunächst alles abgestritten. An den ersten Fall könne er sich nicht mehr erinnern. Beim zweiten Fall sei sein Fahrgast betrunken gewesen. "Sie hatte Gleichgewichtsstörungen, kam auf meine Seite, ich musste sie wegschieben." Der 34-Jährige beteuerte: "Ich könnte so etwas nie tun." Er sei verheiratet, habe ein Kind, dessen Bild im Taxi hänge.

Doch Richter Alexander Lobmüller überzeugte diese Version nicht: "Ich habe erhebliche Zweifel." Zumal die Heilbronner Taxi-Zentrale, unter dessen Dach der 34-Jährige als Selbstständiger fuhr, Testfahrten mit weiblichen Lockvögeln gestartet hatte, um den Fahrer zu überführen. Die Taxi-Zentrale wollte die Opfer als Testpersonen gewinnen. Während die junge Frau vom ersten Übergriff 2009 ablehnte, spielte die zweite mit – "blöd wie ich war", wie sie gestern vor Gericht sagte.

 

Geständnis


"Diese Testfahrten haben sich im Kern auch so entwickelt", erklärte Richter Lobmüller. Er wies den Angeklagten und den Rechtsanwalt darauf hin, dass eine Haft von plusminus drei Jahren möglich wäre – ohne Geständnis. Dieser Hinweis überzeugte. Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger räumte der Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein, entschuldigte sich, obwohl er sich nach wie vor nicht an den ersten Übergriff erinnern konnte.

Warum ihm das Geständnis so schwer gefallen ist, wollte Richter Alexander Lobmüller wissen. Die Antwort: Zuerst habe er 2013 seinen Taxi-Schein und damit seinen Job verloren. "Nun habe ich Angst, dass ich auch meine Frau verliere."


 

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