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Das Böse vertreiben

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Die Dorfmitte von Zaisenhausen ist am Sonntagnachmittag Treffpunkt aller Dorfbewohner. Im 200 Einwohner großen Mulfinger Teilort treibt die Dorfjugend mit dem Butz den Winter aus – ein uralter Brauch.

In einer Scheune am Rande der Hauptstraße wird emsig geschafft. Ein Junge, der zuvor ausgewählt wurde, wird in einen Strohmantel eingebunden. Er ist der Butz. Gerade mal sein Mund ist noch zu sehen, alles andere verschwindet unter Stroh. Arme und Beine werden mit Strohzöpfen verbunden. Die Vorarbeit, die der männliche Zaisenhausener Nachwuchs zu erledigen hat, ist enorm. Rund 20 Stunden haben sie an Strohmantel und Zöpfen gearbeitet. Das wichtigste Stück am Butz ist jedoch der rund 15 Meter lange Schwanz, den er auf seinem Weg durchs Dorf hinter sich herzieht. 

 

Qual


Mit Draht wird der Butz in Form gebracht und am Kopfende mit bunten Fähnchen geschmückt. Das warme, frühlingshafte Wetter ist zwar für die Besucher herrlich, doch für den Butz eine Qual. Unter dem Stroh fließt der Schweiß. Fertig eingepackt, nehmen ihn links und rechts zwei Jungs an die Hand und führen ihn hinaus auf die Straße. Neugierige Augen verfolgen das Geschehen. Zahlreiche jüngere Buben bewachen mit langen Haselruten seinen mächtigen Schwanz. 

Der ist ein beliebtes Ziel. Die Mädchen haben nämlich die Aufgabe, darauf zu treten, um den Butz auf diese Weise zu Fall zu bringen. Und die Jugendlichen sind bei ihrer Aufgabe nicht zimperlich. Immer wieder peitschen sie in Richtung der Mädchen. Doch das Schlagen der Ruten hat noch eine andere Bedeutung: Es soll das Gute erwecken und das Böse vertreiben.

Der Butz wandert mit seinem Gefolge von Haustür zu Haustür, um – wie es der alte Brauch verlangt – in einem Weidenkorb Eier einzusammeln. Diese sind ein heidnisches Fruchtbarkeitssymbol. Vor der Tür von Familie Dörr erklingt der Butzenspruch. "Aar raus dr Bar is haus", sprechen die Jungen im Chor. Renate Dörr legt Eier, aber auch Süßigkeiten in den Korb. Der Butz verneigt sich, dann geht er weiter. 

Während sich der Butzen-Zug durch die Straßen und Gassen bewegt, wird auf dem Dorfplatz gefeiert. Die Zaisenhausener Frauen haben Kuchen mitgebracht, auf einem alten Holzofen werden dicke Waffeln gebacken. Alle Bänke sind besetzt, so dass bereits neue herbeigeschafft werden. Alois Ehrler ist ein alteingesessener Zaisenhausener. Auch er steckte schon im Butz, als er noch jung war. Gerne erinnert er sich zurück. "Damals war es keine so große Party mit so vielen Leuten wie heute", erzählt er. Er sei stolz, dass dieser Brauch in Zaisenhausen noch aufrechterhalten werde. "Dabei war ich immer", sagt Anton Ehrmann (76). Rund 40 Buben seien es damals gewesen – deutlich mehr als heute. Und er wünscht sich: "Der Brauch darf nicht ausgehen."

 

Lebendig


Plötzlich wird es auf dem Dorfplatz lebendig. Der Butz hat alle Häuser abgeklappert. Jetzt rennt er mit seinen zwei Begleitern aus dem Dorf, verfolgt von den Schaulustigen. Auf einer Wiese wird der Junge, der nicht erkannt werden darf, aus seinem Gewand befreit. Der Strohmantel fliegt in ein riesiges Feuer und verbrennt vor den Augen der Zuschauer. Jetzt kann das Frühjahr Einzug halten in Zaisenhausen.


 

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