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Riskanter Leichtsinn

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Schlangenlinien fahren ist längst nicht mehr die Domäne betrunkener Autofahrer. Eine zunehmende Zahl von Handy-Nutzern am Steuer ruft Polizei und Verkehrsverbände auf den Plan.

Als die Verkehrspolizei an diesem Morgen an der Rötelquerspange in Neckarsulm Autofahrer mit Handy überführen will, dauert es nur wenige Minuten, dann meldet Verkehrsgruppenleiter Joachim Gehring per Funk den ersten Sünder. "Ich habe nicht telefoniert, sondern nur das Handy vor der Kurve sicher abgelegt", sagt der Lkw-Fahrer zu einem Beamten, der ihn anhält. Gehring wiederholt per Funk, dass der Mann sein Telefon "die ganze Zeit" in der Hand hielt, eine Kurve weit weg sei. Der Fahrer erhält eine Anzeige60 Euro Bußgeld und einen Punkt sieht das Gesetz bei einem Verstoß vor. 

 

Ursache ungeklärt


Helmut Wacker, Chef der Verkehrspolizei im Polizeipräsidium, sieht täglich Autofahrer beim Bedienen von Handys – obwohl es gefährlich ist, die Fahrer stark abgelenkt sind. Sogar das Lesen und Schreiben von Whats-App oder SMS wird inzwischen am Steuer erledigt. "Wir müssen uns dem Phänomen stärker widmen, weil die Leute viel länger ihr Augenmerk auf die Geräte legen als früher", kündigt Wacker intensivere Kontrollen an.

Er hat bisher keine Belege, ob Unfallzahlen durch abgelenkte Handy-Nutzer steigen. Erst seit 2014 erfasst das Polizeipräsidium Handyverstöße am Steuer, 2502 waren es im Vorjahr. Aber: Die Zahl der Unfälle mit ungeklärter Ursache nimmt bundesweit zu, im Stadt- und Landkreis Heilbronn stieg der Wert von 436 (2010) auf 977 (2014) deutlich an. "Der Verdacht liegt nahe", sagt Wacker, "dass auch das Handy im Spiel ist."

Zugeben würde dies jedoch kein Autofahrer. Welches Risiko diese eingehen, verdeutlicht Wacker. Bei Tempo 50 machten zwei Sekunden aufs Handy-Display blicken einen Fahrtweg von 28 Metern aus. 28 Meter, auf denen jemand stark bremsen oder ein Kind auf die Straße treten kann. "Ich glaube, man ist sich seiner Verantwortung nicht bewusst."

An der Kontrollstelle in Neckarsulm werden die nächsten Handy-Sünder herausgefischt. Eine jüngere Frau sucht hektisch nach ihrem Führerschein, ist ganz perplex, dass ihre Handy-Nutzung 60 Euro und einen Punkt bedeutet. "Ich hatte noch nie einen Unfall", sagt sie. Es klingt ein bisschen wie "der Hund tut nix".
Ein junger VW-Fahrer erzählt, dass er gerade dabei war, den Kauf eines Quads mit einem Anbieter zu besprechen. "Ich streite es nicht ab und zahle", sagt er trocken.

 

Tödliche Whats-App


Verkehrspolizist Adolf Brenneis hat schon einige Kontrollen mitgemacht. Telefonieren am Steuer "ist wie eine Volkskrankheit", sagt er. Sobald das Gerät sich melde, "greift der Bürger danach". Gruppenleiter Joachim Gehring weiß von einem Unfall, bei dem eine Autofahrerin bei Karlsruhe einen Radfahrer tödlich verletzte. Es kam heraus, dass sie zur Unfallzeit eine Whats-App-Nachricht tippte.

Nach zwei Stunden haben die Beamten 19 Handysünder ertappt. Für Gehring ein normaler Wert in den Morgenstunden. Mittags und im Feierabendverkehr läge die Quote "noch höher". Als ein Fahrer im roten Kastenwagen herausgewunken wird, gibt er den Handy-Verstoß zu. Eine Freisprechanlage hat er nicht, dafür ist an der Windschutzscheibe eine Halterung für sein i-Phone montiert. Warum er am Steuer telefoniert? "Es hat halt geschellt", antwortet er. "Was willst du da machen?"


 

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