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Polizeieinsatz läuft aus dem Ruder

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Es ist eine von langer Hand geplante Observation von Drogendealern. Doch dann entschließt sich das Mobile Einsatzkommando (MEK) in Sekunden, die beiden Verdächtigen mitten in Stuttgart zu stellen. Als ein Beamter sich dem roten Auto nähert, gibt der Fahrer Gas. Der 32-jährige Polizist wird umgefahren und im Bauchbereich überrollt. Seine Kollegen schießen auf den Fahrer, verletzen diesen an Armen und Beinen und treffen auch den Beifahrer. Die beiden Verdächtigen gehören zu einer fünfköpfigen Drogenbande.

 

Verdacht


Gestern schlug die Polizei in Backnang, Esslingen und Rottenburg zu und verhaftete die drei übrigen Mitglieder. In den Wohnungen werden kiloweise Drogen sichergestellt. Die fünf Männer sind schon länger im Visier der Polizei. Sie stehen im Verdacht, mit Kokain, Marihuana und Amphetaminen im großen Stil im Raum Rottenburg zu handeln. Im Auto werden vier Kilogramm Marihuana gefunden.

Die Staatsanwaltschaft wollte gegen alle Tatverdächtigen einen Haftbefehl beantragen. Vier von ihnen sind polizeibekannt. 

Die MEK-Spezialisten hatten die Fahrt der beiden Kuriere am Mittwochabend von Backnang aus begleitet. Die 21 und 23 Jahre alten Männer sollten auf frischer Tat festgenommen werden. Kurz vor einem Tunnel in Stuttgart entschied sich das Team für den Zugriff, der dann völlig aus dem Ruder lief. "Die Stelle hat sich für den Zugriff angeboten", sagt ein Sprecher. Auf der vierspurigen Durchgangsstraße am Rande der Innenstadt seien kurz nach 21 Uhr nur wenige Autos unterwegs gewesen.

Das MEK hatte den Kleinwagen der Marke Hyundai mit mehreren Fahrzeugen umstellt. Als sich ein Beamter zu Fuß nähert, versucht der 21-jährige Fahrer zu fliehen. Mit mehreren Schüssen durch die Fahrertür stoppt ihn das Spezialkommando. Er und der Beifahrer werden noch in der Nacht operiert. Gegen beide eröffnet die für die Bande zuständige Staatsanwaltschaft Tübingen gestern ein Verfahren wegen versuchten Mordes. Die Kriminalpolizei in Stuttgart richtet die Ermittlungsgruppe "Mammut" ein. 

 

Routine


Schwer verletzt ist der überfahrene Polizist. Zunächst wurde um sein Leben gefürchtet. "Es geht ihm nicht gut, aber er ist außer Lebensgefahr", sagt ein Polizeisprecher. 

Routinemäßig untersucht die Staatsanwaltschaft auch den Schusswaffengebrauch der Polizisten. In Notwehr und Gefahrensituationen dürfen die Beamten ohne Warnung auf Personen schießen. Gerade Kontrollen im Straßenverkehr wird regelmäßig trainiert, weil es da immer wieder gefährliche Situationen gibt.

Die Mobilen Einsatzkommandos unterstützen die örtliche Polizei bei schwierigen und gefährlichen Einsätzen, vor allem bei großen Observationen, Durchsuchungen und Festnahmen. Nur erfahrene Beamte können sich freiwillig für die Teams melden. Ein herausragender Fall des MEK in Baden-Württemberg war die verdeckte Beobachtung der Islamisten der Sauerlandgruppe über ein ganzes Jahr.

Für den Einsatz gegen Schwerstkriminelle und bewaffnete Straftäter gibt es daneben das Spezialeinsatzkommando (SEK). Die Truppe gilt als die Eliteeinheit der Polizei.

Das Rauschgift wurde offenbar im Kilogrammbereich bei zwei 18- und 22-jährigen Tatverdächtigen aus Backnang eingekauft und an eine Vielzahl von Abnehmern, unter anderem auch an Jugendliche in der Region Rottenburg und Freudenstadt, verkauft. Auch die Wohnungen der Lieferanten durchsuchte die Polizei: Neben Amphetaminen, Ecstasy und Haschisch stellten die Beamten auch mehrere Tausend Euro Dealergeld sicher.



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