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Wo man viel fürs Leben lernt

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Sie sind in der Natur unterwegs, sitzen ums Lagerfeuer herum, tragen uniformartige Hemden und bunte Halstücher: So stellt man sich den typischen Pfadfinder vor. Aber was bedeutet es, Pfadfinder zu sein? Anja Krezer hat sich am Rande der Versammlung des Landesverbandes der Pfadfinder Baden-Württemberg in Untergruppenbach mit Landeschef Stefan Welz und dem Untergruppenbacher Stammesführer Simon Möhle unterhalten.


Jeden Tag eine gute Tat: So heißt ein Pfadfinderleitsatz. Welche haben Sie heute schon vollbracht?

Stefan Welz (lacht): Ich habe heute beim Mittagessen jemandem den Schmand auf die Suppe getan, weil er beide Hände voll hatte.

Simon Möhle (lacht auch): Und ich habe den Schöpflöffel aus dem Topf gefischt, der jemand anderem hineingefallen war.


Pfadfinder sein: Was heißt das für Sie ganz persönlich?

Möhle: Es ist eine Lebenseinstellung. Es ist nicht so, dass man zu den wöchentlichen Treffen geht, und das war’s dann. Man lernt sehr viel fürs Leben. Die jüngeren Pfadfinder, die Wölflinge, erfahren viel über die Natur. Die Älteren, die Ranger und Rover, lernen etwa als Gruppenführer Führungsqualitäten. Pfadfinder sein hilft einem, seine Persönlichkeit zu entwickeln. Man wird selbstständiger und offener.

Welz: Die Erfahrungen, die ich als junger Pfadfinder gemachte habe, kann ich heute weitergeben. Man bekommt einen Rahmen, in dem man sich ausprobieren kann. In den Gruppen wird man ,mitgenommen’ und man bekommt unglaublich viel Selbstvertrauen vermittelt. Man lernt, dass man Fehler machen darf.


Wie war der klassische Pfadfinder früher, wie ist er heute?

Welz: Es ist die Frage, was uns ausmacht. Die Gesellschaft hat sich verändert, die Jugendlichen haben sich verändert, und natürlich haben moderne Kommunikationsformen auch vor uns nicht haltgemacht. Aber die Dinge, für die wir stehen, haben sich nicht verändert. Dazu zählen die Vermittlung von Werten und die Persönlichkeitsbildung.


Haben Sie Zahlen zur Entwicklung der Pfadfinderbewegung?

Welz: Es gibt viele verschiedene Verbände. Weltweit sind es 38 Millionen Pfadfinderinnen und Pfadfinder – das ist die größte Jugendbewegung, die es gibt.

Möhle: In unserem Landesverband der Pfadfinderinnen und Pfadfinder Baden-Württemberg haben wir etwa 1300 Mitglieder. Diese Zahl ist seit Jahren relativ konstant.

Welz: Man muss aber zugeben, dass die Zahl der aktiven Pfadfinder abnimmt. Viele bleiben nach der Gruppenzeit dabei, weil Pfadfinder sein eben eine Lebenseinstellung ist.

Möhle: Erfreulicherweise haben wir in Untergruppenbach einen Zuwachs. Aktuell haben wir rund 70 Mitglieder. Vor drei Jahren war es etwa 50. Das hängt stark von der Werbung ab. Und: Manche Kinder ziehen andere mit; bei Eintritten wie bei Austritten.


Pfadfinder tragen eine Kluft, singen Lieder und suchen im Wald nach Stöcken: Das Image ist sehr angestaubt. Ist Pfadfinder sein noch zeitgemäß?

Möhle: Auf jeden Fall ist es zeitgemäß! Natürlich erfüllen wir Klischees: Holz suchen, Feuer machen und so weiter. Die Jüngeren tun diese Dinge ja auch. Aber wir machen eben nicht nur solche Sachen. Bei den Älteren ist sehr viel Organisatorisches dabei, etwa wenn Gruppenstunden oder Lager geplant werden.

Welz: Wenn man an Begriffe wie Abenteuerpädagogik, ganzheitliche Erziehung oder Teambuilding-Maßnahmen denkt, sind wir auf jeden Fall zeitgemäß. Denn genau diese Dinge machen wir ja.


Wie können Sie angesichts dieses Images Kinder und Jugendliche gewinnen? Und angesichts der vielen verschiedenen Freizeitangebote und der medialen Verlockungen?

Möhle: Wir haben in Untergruppenbach im Rahmen des Kinderferienprogrammes eine Aktion, die sogenannte Getrag-Freizeit. Unsere Zielgruppe sind die Sechs- bis Zwölfjährigen. Die Freizeit ist sehr erfolgreich. Einmal hatten wir danach 14 neue Wölflinge. Jugendliche zu werben, also 14-, 15-Jährige, ist schwer.

Welz: Aber das ist auch nicht unser vorrangiges Ziel. Bei Neueintritten geht es vor allem um die Jüngeren und darum, ihnen ein Wertesystem zu vermitteln und dass sie ihre Persönlichkeit weiterentwickeln.


 

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