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Mildes Urteil

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Das Landgericht hat den hauptangeklagten Eigentümer (49) des Gebäudes der Leingartener Disco La Boom wegen schwerer Körperverletzung gestern zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Ein Türsteher (32) erhielt eine Geldstrafe von 6000 Euro wegen gefährlicher Körperverletzung, ein weiterer Türsteher (24) wegen Beihilfe zur Körperverletzung von 2250 Euro. Teil des Urteils ist ein Vergleich, der auch die zivilrechtlichen Ansprüche des Opfers abdeckt. Die Angeklagten zahlen insgesamt 120 000 Euro an den durch die Schläge lebensgefährlich verletzten Disco-Gast, das Gros davon der Disco-Eigentümer.

Der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth sagte in der Urteilsbegründung, dass der Prozess gleichzeitig die Grenzen und Möglichkeiten des Verfahrens aufgezeigt habe. Die Grenzen, weil das Opfer so schwer zugerichtet wurde, dass der Anblick seiner Verletzungen bei seiner Zeugenaussage im Gerichtssaal knapp zwei Jahre nach dem Verbrechen alle erschüttert habe – inklusive die drei Angeklagten.

Im krassen Widerspruch zu den sichtbaren Folgen war jedoch die Beweislage bei dem Fall unklar. Das Opfer konnte sich an nichts mehr erinnern. Objektive Beweismittel, wie die Aufnahmen der Überwachungskamera der Disco, waren nicht mehr vorhanden, "weil die Festplatte mit den Aufnahmen ausgebaut war", wie Richter Kleinschroth sagte. "Das hat ein Geschmäckle."

 

Chef


Es habe auch unter der Federführung des Hauptangeklagten, der zum Tatzeitpunkt im Juni 2013 faktisch der Chef der Disco und der Sicherheitskräfte gewesen sei, Versuche gegeben, "den ein oder anderen vom Tatgeschehen herauszuhalten". Kleinschroth: "Das stinkt zum Himmel." Vertuscht hätten aber auch die Begleiter des Opfers, die damals mit ihm in der Disco feierten, bevor sie hinausgeworfen wurden, weil sie Frauen belästigt hatten. Diese Begleiter "konnten sich teilweise nicht mehr erinnern".

Kleinschroth klagte aber auch die Öffentlichkeit an. Er hält es für "schlicht ausgeschlossen", dass keiner mitbekommen haben soll, was sich vor der Nebentür der Disco abgespielt habe. "Das ist absurd. Wer sich nicht meldet, macht sich mitschuldig."

Tatsächlich konnten die Richter dem Disco-Eigentümer, der sich laut seinem Anwalt aus dem Geschäft zurückgezogen hat, mangels Beweisen nur einen Teil der Schläge sicher zuschreiben. Die Geständnisse der drei Angeklagten und vor allem der Vergleich mit der ungewöhnlichen hohen Summe als Ausgleich für das Opfer habe dem Hauptangeklagten das Gefängnis erspart.



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