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Deutsch ist geschafft

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Die Erleichterung steht Sarah Drittel (20) ins Gesicht geschrieben. Deutsch ist geschafft. "Alles in Ordnung", die Abiturientin aus Cleebronn lacht und macht sich doch schon wieder ein bisschen Sorgen: "Muss nur noch Morgen gut gehen."

Morgen ist heute, Donnerstag. Und da haben die Abiturienten am Wirtschaftsgymnasium (WG) – nicht nur die 127 an der Gustav-von-Schmoller-Schule Heilbronn – BWL auf dem Prüfungsplan stehen. Was den Gymnasiasten an den allgemeinbildenden Gymnasien die Mathematikklausur, ist diesen "Beruflichen" die Betriebswirtschaft: Angstfach und große Hürde, die es traditionell am zweiten Abitag zu überwinden gilt.

 

Alle zufrieden


Wen man fragt, wohin man kommt: Die Abiturienten sind nach getaner erster Großtat zufrieden, die Lehrer allesamt hochzufrieden. "Klasse Themen", jubelt etwa Inka Knittel, Abiturienten-Mutter, Schulleiterin am Abendgymnasium Heilbronn und Deutschlehrerin: "Alle sind ganz, ganz dankbar, da hat man viel zu schreiben gehabt." Erst kurz vor 13.30 Uhr geben ihre Schüler ihre umfangreichen Werke ab. Sie haben die fünfeinhalb Stunden Schreibzeit voll ausgeschöpft.

Ähnlich begeistert äußert sich Karina Keller-Mowat, Deutschlehrerin an der Peter-Bruckmann-Schule Heilbronn, die zum ersten Mal 22 Abiturienten hat. Die Themen seien alle "sehr interessant, durchaus spannend", und selbst beim so ausführlich durchdiskutierten Sternchenthema Frisch-Büchner-Stamm seien keine ausgetretenen Pfade beschritten worden. "Gut machbar", gibt auch die abiturerfahrene WG-Deutschlehrerin Ursula Grandi der Aufgabenstellung durch die Bank gute Noten: "Nicht unter Niveau, anspruchsvoll." Den Lehrern gefällt vor allem, dass sich in jedem Aufsatz aktuelle Bezüge herstellen lassen.

Thomas Klawitter hat schon in eine Arbeit über den Gut-Menschen-Text von Alfred Polgar reingeblättert und freut sich, dass der Schüler über Globalisierung reflektiert. Ukraine, Ebola, Nazi-Zeit (aus der Polgars Text stammt): die Kurzgeschichte regt zu großem Nachdenken an. Sein Lehrerkollege Roman Sawatzki sieht aber auch eine große Herausforderung gerade in diesem Thema. Mutig sei, wer sich dem gestellt hat.

 

Vorab entschieden


Vivien Heinle (19) aus Beilstein hat sich schreiblustig auf den Essay über "Ewig leben – ewiges Leben" gestürzt: "Ich liebe es, frei zu schreiben." Sie hat die anderen Themen nicht einmal angelesen. Ähnlich verhalten sich viele WG-Abiturienten.

Der Heilbronner Niklas Eren (19) zum Beispiel beschränkte sich auf die Pflichtlektüre: "Das ist das einzige, wo man gut darauf lernen kann." Glück nennt er es freilich, ausgerechnet sein Lieblings-Sternchen "Homo faber" als Textgrundlage vorzufinden. Auch für Kevin Rössl aus Bad Rappenau war von vornherein klar, dass er den Drei-Werke-Vergleich anpackt: "Gedichtinterpretation und Essay liegen mir nicht so." Sehr zufrieden mit der Deutschklausur ist Rössls Schulfreund Jan Holeyko am Hohenstaufen-Gymnasium in Bad Wimpfen: "Ich fühle mich befreit", sagt der 18 Jahre alte Bonfelder, immerhin ist Deutsch "die längste Prüfung von allen".

Unerschrocken hat auch Maxime Ziegler aus Affaltrach das Essay-Thema aufgegriffen. Tod und ewiges Leben haben den 19-jährigen Abiturienten am Technischen Gymnasium in Öhringen im vergangenen Jahr sehr beschäftigt. "Und das Literaturthema wollte ich auf keinen Fall, das ist zu viel Inhalt", grinst er.
Schulleiterin Inka Knittel macht unterdessen den Vergleich zum Vorjahr auf, als viele Abiturienten vor allem am Essay scheiterten: Dieses Mal stimmt alles.



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