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Lebenslang für Mord

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Als der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth das Urteil im Horkheimer Brandleichen-Fall verkündet, versucht ein Besucher im Gerichtssaal zu applaudieren. Als Kleinschroth sein Urteil begründet, brechen die Angehörigen des Opfers in Tränen und Schluchzen aus. Selten wurde ein anderer Prozess am Landgericht Heilbronn von so vielen Emotionen begleitet wie dieser. Richter Kleinschroth nennt ihn einen "krassen Ausnahmefall" – was die Brutalität und Skrupellosigkeit angeht.

Entsprechend "krass" fällt die Strafe aus, die höchste, die die deutsche Gesetzgebung kennt: Die Richter verurteilen einen 26-Jährigen zu lebenslänglich für "einen glasklaren Mord" aus Habgier, Heimtücke und um eine andere Straftat, nämlich Raub, zu ermöglichen. Außerdem stellt die Kammer die besondere Schwere der Schuld fest. Der Komplize (28) wird wegen Beihilfe zu besonders schwerem Raub und Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Warum diese große Differenz im Strafmaß? Die Richter nahmen dem 28-Jährigen die Reue ab, er habe im Prozess sein Gewissen erleichtert und zur Aufklärung des Verbrechens beigetragen. Anders der Haupttäter: Sein Verhalten beim und nach dem Mord sei "falsch und schäbig" und belege seine "niederträchtige und menschenverachtende innere Einstellung". Der 26-Jährige sei im Juni 2013 in Finanznot gewesen und habe beschlossen, Geld von seinem 39-jährigen Bekannten zu holen, von dem er ab und zu Drogen bekam. Der Angeklagte habe abgewartet, bis ihm sein Bekannter in dessen Horkheimer Wohnung den Rücken zudrehte und völlig arglos war. Dann habe er zugestochen, insgesamt 24 Mal mit sehr großer Wucht. Als das Opfer im Todeskampf fragte "Wieso?", hat der Mörder geantwortet: "Schließe die Augen..." Das wissen die Richter, weil der 26-Jährige dies später seinem mitangeklagten Kumpel erzählte.

Der Mörder flieht aus der Wohnung, nimmt den Hausschlüssel mit, doch nicht im Reflex, wie seine Verteidigerin in ihrem Plädoyer behauptet hatte. "Das ist Schwachsinn", spricht Kleinschroth Klartext. "Er wollte mit dem Schlüssel später die Wohnung leerräumen."

 

Vier Mal


In den nächsten Tagen habe der 26-Jährige noch vier Mal die Wohnung betreten: Drei Mal um TV, Uhren, EC-Karte und andere Wertgegenstände mitzunehmen – immer in Anwesenheit der Leiche. Das vierte Mal, um die Wohnung mit der Leiche drei Tage nach der Tat "abzufackeln", wie der Richter sagt, um die Spuren zu beseitigen. Den Benzinkanister erhält er von seinem mitangeklagten Kumpel.

Dass der 26-Jährige die Leiche verbrannt hat, ist für die Richter besonders schlimm. "Für die Familie war das die zweite Tötung", erklärt Richter Kleinschroth. "Sie haben damit den Angehörigen die Möglichkeit genommen, sich bei der Beerdigung würdevoll von dem Toten zu verabschieden." Das künde von einer Respektlosigkeit gegenüber dem Opfer. "Unglaublich" auch, dass der 26-Jährige nach dem Mord dem Toten eine Whats-App-Meldung schickte, um "eine Trugspur für die Polizei zu legen". Diese "Abgebrühtheit" lässt die Richter fassungslos zurück. Darum könne kein Zweifel an der besonderen Schwere der Schuld bestehen. Roland Kleinschroth: "Wenn nicht in diesem Fall, wann dann?"



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