Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Selbst gemacht und viel bewundert

zurück zur Übersicht
Klar ziehen sie ihre selbstgeschneiderten Kleider auch im Alltag an – wenn sie erst einmal benotet sind. Glücklich und stolz wandeln 30 Modeschülerinnen über den roten Teppich, das ist der Laufsteg in ihrer Schule. Ihre Werkschau zum Jubiläum des Berufskollegs Mode und Design wird mit großem Beifall bedacht.

 

Blickfang


"Paris, New York, Mailand und...", Mathias Wolf, der Leiter der Akademie für Kommunikation in Heilbronn kokettiert ein bisschen, wenn er die Reihe der Modemetropolen mit "Heilbronn" fortsetzt. Vor zehn Jahren in der Innovationsfabrik Heilbronn gegründet, war das Berufskolleg (BK), das sich gerne Modeschule nennt, von Anfang an Schmuckstück und Blickfang im Portfolio des privaten Bildungsträgers. Inzwischen sind es im umgebauten ehemaligen Schlachthof zwei Werkstätten mit 22 Industrienähmaschinen.

94 Absolventinnen waren es bisher, unter sie mischten sich auch sieben junge Männer. Drei Jahre durchlaufen sie die Ausbildung, 36 Stunden jede Woche lernen sie weit mehr als nähen. Sie entwerfen Kleider, gestalten Mode, können sie mit CAD (vom Computer unterstütztes Design) in Industrieverhältnisse übertragen, sich so ihr Werk in verschiedenen Kleidergrößen vorstellen und Stoffbahnen bis in den letzten Zentimeter ausreizen. Das sind Ausbildungsinhalte, die weit über eine Schneiderlehre hinausgehen, betont BK-Leiterin Petra Huhle. Am Ende sind ihre Kreativen staatlich geprüfte Mode-Designer und haben die Fachhochschulreife in der Tasche. 14 junge Leute stehen jetzt vor der Abschlussprüfung.

Wie es anschließend weitergeht? Eventuell als Einkäufer für ein Modehaus, als Theaterschneiderin oder mit einem Studium. Marie Rebscher (21) aus Heilbronn will in Hannover Kostümbild studieren. Es ist schwierig, dort reinzukommen.

Eben stellte sie ihren raffinierten Jackettmantel vor, der mit seinen querlaufenden Lamellen etwas von einer geschlossenen Jalousie an sich hat. Die Frauen zeigen Sommerröcke und Abendroben, knappste Etuikleider, Röcke mit golden blitzenden Kellerfalten, mutige Overalls. Jede hat sich ihre Kleidungsstücke auf den Leib geschneidert.

 

Bewunderung


Einfach großartig ist, wenn ihr Gegenüber gar nicht merkt, dass sie Selbstgeschneidertes tragen, erzählen die Modeschülerinnen lachend. Wenn sie es dann "gestehen", gibt es Bewunderung und nicht selten Aufträge, freut sich Benita Stumpf (18) aus Heilbronn.

Einziger Wermutstropfen im Modeschulleben: Die Eltern müssen 300, bald 340 Euro pro Monat Schulgeld bezahlen. Petra Huhle weiß, dass das schwer fällt, verweist aber auf die breitgefächerte Ausbildung – inklusive CAD.



Galerien

Regionale Events