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Politiker zum Anfassen

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Was wird gegen Pegida gemacht? Und wie kann man sich gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zur Wehr setzen? Mit Fragen hielten die knapp 60 Schüler aus dem nördlichen Landkreis Heilbronn am Montagnachmittag nicht hinterm Berg. Kein Wunder. Dass ihnen bei der Regionalkonferenz in der Bad Friedrichshaller Glück-Auf-Werkrealschule vier Landtagsabgeordnete in verschiedenen Arbeitsgruppen Rede und Antwort stehen, kommt für die 14- bis 18-Jährigen schließlich nicht alle Tage vor. "Die Politiker haben unsere Ideen aufgenommen", zeigt sich Jon-Luca Klockow (17) vom Neuenstadter Eduard-Mörike-Gymnasium zufrieden. Auch Klassenkamerad Marcel Breitmayer ist begeistert. Der 17-Jährige bezeichnet diese Form der politischen Willensbildung als "Graswurzelbewegung".

 

Konkretes


"Es ist sehr viel Konkretes herausgekommen", fasst der grüne Abgeordnete Daniel Renkonen den Nachmittag zusammen. "Keine heiße Luft." Auch wenn nicht alle Fragen im Landtag diskutiert werden könnten. Etwa, ob man nicht Lehrer austauschen sollte, wenn sie mit der Klasse nicht zurecht kommen, wie eine Schülerin in der Arbeitsgruppe "Bildung" anregte. Klar. Die Lehrerausbildung spiele eine Rolle, gerade auch die pädagogische, räumt Renkonen in der Diskussion ein. "Das Problem sehe ich aber im Bildungsplan." Der sei nicht zeitgemäß und nicht praxisnah, antwortet der Landtagsabgeordnete.

Viele Fragen muss auch der Crailsheimer FDP-Abgeordnete Friedrich Bullinger in der Arbeitsgruppe "Umwelt/Mobilität" beantworten. Naturschutz, Biotope oder Tierschutz sprechen die Schüler an. Aber auch, dass Elektroautos und Öffentlicher Personennahverkehr immer wichtiger würden. "Das ist eure Zukunft", sagt der Landtagsabgeordnete. Und tatsächlich dreht sich in der Arbeitsgruppe vieles um den Begriff "Nachhaltigkeit".

Dass es ihre Zukunft ist, über die die Politik entscheidet, wissen die Schüler natürlich ganz genau. "Es gab kontroverse Diskussionen, gute Argumente und selbstbewusste Jugendliche", resümiert der CDU-Abgeordnete Bernhard Lasotta. Solche Veranstaltungen bauten Barrieren ab, ein direkter Kontakt sei wichtig. So sieht das auch der 17-jährige David Kern vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neckarsulm. "Die Hemmschwelle war schnell abgebaut. Es ging darum, dass jeder seine Meinung sagt. Und der Abgeordnete ist auch sehr gut auf uns eingegangen", findet der Elftklässler.

 

Format


Der Heilbronner SPD-Abgeordnete Rainer Hinderer ist kurzfristig für Reinhold Gall eingesprungen. Gall hatte sein Kommen zwar fest eingeplant. Eine kurzfristig anberaumte Innenministerkonferenz in Brüssel machte dem SPD-Minister aus dem Wahlkreis Neckarsulm aber einen Strich durch die Rechnung. "Man hat hier ein Format gefunden, junge Menschen unterschiedlicher Schularten zusammenzubringen. Und wir haben die Chance, abstrakte und entfernte Landespolitik näherzubringen", so Hinderer, der den Nachmittag über in der Arbeitsgruppe "Ehrenamt" mitdiskutiert.

"Landespolitik betrifft alle Schüler", sagt Jana Wagner, Jugendreferentin der Stadt Bad Friedrichshall. Deshalb habe sie sich auch sofort bereit erklärt, zusammen mit ihrem Team die Veranstaltung in der Salzstadt auf die Beine zu stellen. Angefragt hatten die Kreisjugendpflege Heilbronn und der Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn. "Mit solchen Veranstaltungen wollen wir erreichen, dass die Politik menschlicher wird", sagt Mirjam Sperrfechter vom Stadt- und Kreisjugendring. Also kein abstrakter Unterricht, sondern Abgeordnete aller Parteien hautnah zum Anfassen.


 

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