Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Schwimmen wie die Delfine

zurück zur Übersicht
"50 locker, dann Mono anziehen. Dann 50 locker, anschließend Wettkampfflosse." Vom Beckenrand gibt Trainerin Beata Pecikiewicz klare Anweisungen. Die Wechsel erfolgen schnell. Monoflosse, so nennen die Flossenschwimmer ihr Sportgerät. Eine Flosse in der beide Füße fixiert werden – ähnlich wie bei einer Meerjungfrau.

 

Probetraining


Delfinähnliche Bewegungen treiben die Jungen und Mädchen des Tauchclubs Heilbronn im  Wasser voran. An diesem Nachmittag ist auch Antonia Tischer wieder dabei. Die 17-jährige Auszubildende zur Fachkraft für Lagerlogistik ist bereits seit sieben Jahren beim Tauchclub. Viermal in der Woche kommt sie zum Training – jeweils etwa eineinhalb Stunden. Für sie ist die kleine Truppe wie eine Familie. "Die Atmosphäre ist bei uns sehr gut", sagt Antonia. Vor sieben Jahren ergriff sie selbst die Initiative. Bei einem Besuch im Freibad, in dem ihre Mutter arbeitete, beobachtete sie die Flossenschwimmer einige Male und sprach den Trainer schließlich spontan an. Nach einem Probetraining ist sie seitdem dabei geblieben.

Anderen Jugendlichen kann sie zu diesem Sport nur raten. "Zunächst mal ist Schwimmen sehr gut für die Gesundheitgelenkschonend und gut für die Ausdauer. Und solch einen Zusammenhalt wie hier findet man selten." Vielleicht auch deswegen lässt sich Maximiliane Holder das Training nicht entgehen. Denn sie ist gekommen, obwohl sie momentan am Schienbein verletzt ist. Auf Wettkämpfe muss sie noch verzichten.

Die 13-Jährige ist an diesem Abend diejenige, die am kürzesten im Verein ist. Vor zwei Jahren trat sie in den Tauchclub ein. "Ich habe im Internet herumgeschaut und bin dann auf der Vereinsseite gelandet", sagt Maximiliane. "Es ist einfach ein Sport, den nicht jeder macht."

 

Disziplin


Die Liebe zum Wasser sei Grundvoraussetzung, um bei den Flossenschwimmern einzusteigen, sagt Antonia. "Geduld, Durchhaltevermögen, Motivation und Disziplin sind aber mindestens genauso wichtig." Und sie geht mit bestem Beispiel voran. Aktuelle Rekordhalterin über 50-Meter-Strecken- oder auch Apnoetauchen – also ohne Schnorchel oder Atemgerät – in Baden-Württemberg, mehrfache Deutsche Meisterin auch in anderen Disziplinen. Davon gibt es beim Flossenschwimmen insgesamt drei. Einmal an der Wasseroberfläche mit Schnorchel, dann das Apnoetauchen und schließlich noch eine Variante mit Druckluftflasche und Atemregler.

Die Strecken sind 50, 100, 200, 400, 800 oder 1500 Meter lang. Wer sich für den Sport entscheidet, braucht vor allem auch eins: Zeit. "Das erfordert auch, dass die Eltern am Ball bleiben", sagt Pressewartin Tanja Fabriz. Viermal in der Woche ist Training, gerade die Jüngeren müssen gefahren werden – die Ausrüstung wiegt einige Kilogramm und lässt sich nicht einfach im Bus oder gar auf dem Fahrrad transportieren. Zudem liegen die Zentren eher im Osten Deutschlands, was bedeutet, dass auch viele Wettkämpfe dort stattfinden. Dann geht es für die Heilbronner nach Chemnitz, Halle, Leipzig oder Rostock. "Da ist man bei Wettkämpfen das gesamte Wochenende unterwegs", sagt Fabriz. Hinzu kommen die im Vergleich mit den großen Zentren eher überschaubaren Trainingsmöglichkeiten. "In Rostock war man sehr erstaunt", sagt Fabriz. Wohl darüber, dass man lediglich das eine Becken im Hallenbad Soleo zur Verfügung habe – und dass man sich dieses auch noch mit der Öffentlichkeit teilen müsse.

 

Leistung


Doch das tut der Leistung keinen Abbruch. Im vergangenen Jahr hätte fast die große Stunde des Tauchclubs Heilbronn geschlagen. Mit Julian Wagner hatte sich ein Athlet aus dem Kader mit der vorgeschriebenen Zeit für die Jugendnationalmannschaft qualifiziert. Der Weg zur Europameisterschaft auf der griechischen Insel Kreta war quasi frei. Eine Statutenänderung verhinderte die Teilnahme letztendlich doch noch. "Weil nur die Langstreckentaucher mitgenommen wurden. Die Kurzstreckler mussten zu Hause bleiben", sagt Tanja Fabriz.
 
Doch die Heilbronner haben auch in diesem Jahr wieder Gelegenheit, sich zu beweisen. Schließlich finden die baden-württembergischen Meisterschaften im heimischen Hallenbad statt. Und auch bei der Deutschen Meisterschaft in Rostock werden die Heilbronner Sportler sicherlich wieder auf sich aufmerksam machen. 


 

Galerien

Regionale Events

Barrierefreie Lesung

Hasnain Kazim liest in der Stadtbibliothek im K3 Heilbronn aus „Mein Kalifat“.