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Großes Ballastabwerfen

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Jetzt ist der Wertwiesenpark wieder sauber. Von Unrat befreit. Gut eine halbe Stunde zogen rund 50 Abiturienten mit Greifzangen und Müllsäcken ausgerüstet über die Wiese und beseitigten alle Spuren der Abisause vom Dienstag. "The same procedure as every year", sagt Frank Göhringer vom Grünflächenamt, froh dass der reifegeprüfte Helfertrupp zur Stelle ist: "Früher ist das Aufräumen an unseren Leuten hängen geblieben."

Reifeprüfung? Hunderte leere Flaschen glitzern in der Morgensonne. Chipstüten. Plastiktüten. Ein paar Orangen. Eine Matratze. Es ist keine Augenweide, die sich vor Bürgermeisterin Agnes Christner ausbreitet. Als Schulleiterin Isabell Peimann-Schaak die kleine Anhöhe über der Abiturientenfestwiese betritt, kommt ihr nur ein leises "O je" über die Lippen. Grünflächenamtschef Hans-Peter Barz grummelt ungehalten, die Reifeprüfung sei wohl doch nicht ganz bestanden.

"Ich habe den Eindruck, Sie haben schon kräftig gefeiert", sagt Agnes Christner und erntet von den Putzleuten des Abijahrgangs 2015 fröhliches Gelächter. Da ist was dran. Das große Saubermachen interpretiert die Bürgermeisterin als "wichtiges Zeichen", das die Akzeptanz der Abiparty mitsamt ihrer Hinterlassenschaften erleichtere.

"Schön, dass Sie da sind", ruft sie den Abiturienten zu. "Das ist eine Frage des Anstands", erklärt Marius Hochadel (19), dass er sich mit Kollegen vom Wirtschaftsgymnasium der Gustav-von-Schmoller-Schule jetzt putzmunter eingestellt hat. Doch die Warum-Frage weiß keiner der noch auf den großen Putzeinsatz Wartenden so recht zu beantworten.

 

Mülltonnen


Warum wird die Wiese so endlos zugemüllt? Die Stadt hatte extra Mülltonnen aufgestellt. Die sind leer, der Dreck liegt dumm drumrum. Vielleicht, spekulieren zwei Abiturientinnen spöttelnd, waren manche nicht mehr in der Lage, ihren Abfall wegzuschaffen? Aber dann müssten ja alle restlos betrunken gewesen sein, bei der Masse Müll. Eine andere überlegt: "Der Rest hat sie einfach nicht mehr interessiert." Nach mir die Müllflut. Auch da mag was dran sein. 

Alle Jahre wieder vollzieht sich ein Ritual. Das Schriftliche ist erst einmal geschafft und kann wie eine riesige Sorgenlast abgeschüttelt werden. Vorbei das große Pauken, das Durchhaltenmüssen, das Diszipliniertsein, auch die Angst vor der Prüfung ist wie weggeblasen. "Ich lasse all das hinter mir", überlegt Isabell Peimann-Schaak. So betrachtet könnten die Hinterlassenschaften im Park eine Art symbolisches Ballastabwerfen sein. 



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