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Stadtverwaltung im Turbobetrieb

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Spontan ist ein Wort, das bislang in Verwaltungen eher selten zu hören war. Seit der Flüchtlingskrise ist es in Rathäusern allgegenwärtig. Eine "Spontanankündigung", wie der stellvertretende Sozialamtsleiter der Stadt Heilbronn Achim Bocher beschreibt, galt es Anfang dieser Woche zu bewältigen. Am Montag hat das Amt erfahren, dass am Dienstag auf einmal 56 neue Flüchtlinge ankommen. Zum Glück war die Halle des Olga Jugend- und Familienzentrums bereits als Unterkunft vorbereitet. 29 junge Männer sind dort untergebracht worden, die anderen wurden auf Horkheim und den Gaffenberg verteilt.

"Das Gebäude wurde in einem beeindruckenden Tempo umgebaut", staunt Olga-Teamleiter Michael Fokken. Geschwindigkeit ist ein weiteres Wort, das den Alltag der Verwaltungsmitarbeiter kennzeichnet, die mit dem Thema Flüchtlinge zu tun haben. "Arbeitsabläufe habe ich noch nie zuvor so schnell erlebt", erklärt Fokken. Der Termindruck für die Teams um Achim Bocher und Hochbauamtsleiter Johannes Straub ist immens hoch. Der Umbau der Turnhalle in eine Notunterkunft ist dafür ein gutes Beispiel. "Es ist eine große Herausforderung, innerhalb kürzester Zeit die Infrastruktur zu schaffen und es auch gut zu machen", betont Bocher.

Schiebetüren

100 Menschen werden insgesamt in der Olga-Halle wohnen. Zunächst sind sie zu acht in den abgeteilten Boxen, maximal zwei weitere Stockbetten haben in den provisorischen Räumen Platz. Gebaut sind die Abtrennungen aus OSB-Holzplatten, diese schützen auch den Hallenboden. Die Schiebetüren sind verschließbar. "Das System ist an allen unseren Hallenstandorten gleich", informiert Straub. Die Einbauten sind später einfach wieder zu demontieren.

Mit den Abteilen, die zumindest ein wenig Privatatmosphäre geben, habe Heilbronn "einen Standard definiert", erklärt der Hochbauamtsleiter. Ganz bewusst verzichte man darauf, Feldbetten in eine Halle zu stellen und sie, wie andernorts, nur durch Bauzäune oder Krankenhausvorhänge abzutrennen.

100 000 Euro hat der Umbau gekostet, 50 Prozent wurden für die Holzarbeiten ausgegeben, 50 Prozent für die Installation. Die entstandenen Kosten werden komplett vom Land erstattet. Das Vergabeverfahren für die Aufträge an Handwerker wurde gelockert.

Die Investitionen für die Unterbringung in der Halle, rechnet Achim Bocher vor, sei annähernd vergleichbar mit der Anmietung von günstigem Wohnraum.

Derzeit stehen jedem Flüchtling 4,5 Quadratmeter Wohnfläche zu, die für 2016 geplante Erhöhung auf sieben Quadratmeter wurde vorher ausgesetzt. Rechnet man Foyer und Gemeinschaftsflächen in der Olgahalle dazu, liegt man weit oberhalb der Mindestquadratmeterzahl. In den Kosten für den Umbau ist auch das Küchenprovisorium enthalten. In der ehemaligen Umkleidekabine stehen jetzt sechs Herde. Wasserleitungen wurden verlegt. Die Spülen haben Mitarbeiter des Bauhofs beim Baumarkt erstanden und kurzerhand eingebaut. Mit der Lösung ist nicht nur Bocher zufrieden. Die zunächst angedachte Vollverpflegung mit angeliefertem Essen schied aus: zu teuer, zu viel Müll. "Wenn die Flüchtlinge selber einkaufen, kochen und abwaschen, haben sie etwas zu tun und kommen umso weniger auf die Idee, Blödsinn zu machen", meint Sozialpädagoge Fokken.

Weitblick

Bei der Ausstattung der Unterkünfte hat das dafür zuständige Sozialamt Weitblick bewiesen und rechtzeitig eine größere Zahl stählerner Stockbetten geordert. "Wer heute erst bestellt, bekommt die Betten im März geliefert." Mit 60 bis 100 Euro ist das Bettenpaar vergleichsweise günstig. "Wir wollen Einheitlichkeit, auch damit kein Streit entsteht", begründet Bocher, warum keine Möbelspenden für Notunterkünfte angenommen werden. Auch Brandschutz ist bei der Materialwahl Thema.

Im Hochbauamt ist man längst mit Umbauplänen für Augärtle und SLK-Wohnheim beschäftigt. Zusätzliche Stellen gibt es nicht. Manchmal fragt sich Johannes Straub, "was wir vor den Flüchtlingen gemacht haben". Überstunden sind im Rathaus bei vielen, die mit der Thematik betraut sind, an der Tagesordnung. Straub: "Jeder erkennt die Dringlichkeit, aber ich schicke einen Teil meiner Mitarbeiter an ihre Grenzen."

 

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