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Was wird aus dem Betonkoloss?

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Trauriges Jubiläum: Seinen 75. Geburtstag im Oktober 2015 hat bisher niemand groß gefeiert. Er ist halt da, steht Jahr um Jahr verschlossen am Rand der Theresienwiese, und die Beliebtheit des massiven Wever-Turms hält sich in Grenzen. Der Schutzbunker aus Beton, 1940 von den Nationalsozialisten auch als Luftverteidigungsturm und Flakstellung gebaut, ist seit Jahrzehnten ungenutzt.

Als beim WM-Fandorf 2014 der Putz bröckelte und der Turm aus Sicherheitsgründen verhüllt und später saniert werden musste, machte Liegenschaftsamtsleiter Helmut Semenass kein Hehl aus seiner kritischen Haltung zu dem Betonkoloss. Er würde "das Ding am liebsten abreißen", zumal alle Versuche, es in irgendeiner Form zu nutzen, gescheitert waren.

Schutz vor Bomben

Zum Beispiel der Ansatz, eine Bar plus historischer Gedenkstätte daraus zu machen. Der Turm, den die Stadt wegen der problematischen Verbindung zu einem General der NS-Zeit umbenennen möchte und bis dahin nur noch "Turm an der Theresienwiese" nennt, steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Auflagen sind hoch. Er hatte einst eine wichtige historische Bedeutung, rettete im Zweiten Weltkrieg vielen Familien als Zufluchtsstätte bei Luftangriffen das Leben. Auch in der zerstörerischen Bombennacht im Dezember 1944, als alliierte Bomber Heilbronns Altstadt in Schutt und Asche legten, retteten sich viele Menschen in den Wever-Turm. Völlig überbelegt war er in dieser Nacht – hielt mit seinen dicken Mauern jedoch dem Bombenangriff stand. Nach dem Krieg wurde er zur Notunterkunft für Flüchtlinge. Lange Zeit hielt es dort jedoch kaum jemand aus, in den kreisrunden, tageslicht- und luftarmen Schutzräumen zu leben.

Der Turm bleibt

Was aus dem Turm mal werden soll, dessen zehn Geschosse gerade mal zwei Meter hoch sind? Warum ist der Erhalt aus Denkmalschutzsicht so wichtig? Der Turm sei "das einzige erhaltende Gebäude dieser Modellreihe in Baden-Württemberg", erklärt Dr. Joachim Hennze von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Eine Nutzung der beengten Innenräume sei baurechtlich verboten, temporär kann er sich außen vorstellen, "etwas dran zu machen". Für die Denkmalschützer ist das Bauwerk "ein Solitär", ein markantes, gleich sichtbares optisches Zeichen für Heilbronn. Typisch für die damalige Zeit. Hennze nennt den Bau "ein schönes Gebäude". Ein Abriss des Kulturdenkmals kommt für die Denkmalbehörde nicht in Frage. "Der Turm bleibt", sagt Hennze.

Als wichtiges Mahnmal stuft Stadtarchiv-Historiker Peter Wanner den Betonkoloss ein. Im Jahr 2000, als man den Turm am Tag des offenen Denkmals ausnahmsweise öffnete, sei man von den Bürgern überrannt worden. Der Turm "war immer da – mysteriös und ungeheuer", begründete ein Besucher damals sein Interesse.

Überlegungen

An einer "pädagogischen Nutzung" des Turms sei man interessiert, blickt Stadthistoriker Peter Wanner nach vorn. Wie eine Nutzung aussehen könnte, da gibt es noch nichts Konkretes. "Wir überlegen die ganze Zeit." Es gebe aber baurechtliche und finanzielle Einschränkungen. Eines aber ist zumindest angedacht: Der 75. Jahrestag des verheerenden Bombenangriffs auf Heilbronn, der im Dezember 2019 bevorsteht, würde für eine Wiederbelebung passen.

 

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