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Auf den Spuren einstigen jüdischen Lebens

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Sie waren 13 und 16 Jahre jung, als Siegfried Thalheimer und seine Schwester Lore 1939 Öhringen verlassen mussten. Ihre Eltern – der Textilkaufmann August Thalheimer (57) und seine Frau Hedwig (52) – wollten sie in israelitischen Waisenhäusern in Sicherheit bringen. Doch die Familie, die in der Poststraße 24 lebte, hatte keine Chance, den SS-Schergen zu entkommen. Die Eltern wurden an einem trüben Novembermorgen 1941 mit weiteren Öhringer Juden zunächst nach Stuttgart und von dort weiter nach Riga-Jungfernhof deportiert, wo sie ermordet wurden. Und auch die Spur ihrer Kinder verliert sich 1941 in einem Vernichtungslager im Osten. Ihre Oma Amalie Thalheimer (81) starb 1942 im Ghetto Theresienstadt.

Die Thalheimers sind in Öhringen nicht vergessen. Fünf Stolpersteine vor dem Haus Poststraße 24 erinnern seit vier Jahren an das schreckliche Schicksal der Familie. Am Montag, 9. November, stehen diese im Mittelpunkt einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht, die sich an diesem Tag zum 77. Mal jährt. Veranstaltet wird die Gedenkfeier, die um 18 Uhr im Kreuzgang des Stiftskirche beginnt und von dort zu den Stolpersteinen in der Poststraße 24 und dann bis zur ehemaligen Synagoge im Haus der Jugend in der Unteren Torstraße führt, vom Arbeitskreis ehemalige Synagoge Öhringen des Kreisjugendrings Hohenlohe in Zusammenarbeit mit dem ökumenischen Arbeitskreis. An der Gestaltung wirkt die Klasse 10e der Realschule Öhringen mit ihrer Geschichtslehrerin Susanne Junker mit. Sie werden in Beiträgen an das Schicksal der Familie Thalheimer erinnern.

Die Gedenkfeier ist Teil der zweiten jüdischen Erinnerungswoche, die der Arbeitskreis ehemalige Synagoge in Öhringen veranstaltet. Auftakt ist am Sonntag, 8. November, mit einem 90-minütigem Stadtrundgang, bei dem Cornelia Schmidt anhand von Geschichten und Beispielen auf die Spuren des jüdischen Lebens in Öhringen führt. Treffpunkt ist um 11.30 Uhr in der Poststraße am Oberen Tor.

Unter der Überschrift "Was verloren ging" laden Schüler und Lehrer der Richard- von-Weizsäcker-Schule am Dienstag, 10. November, um 19.30 Uhr in die ehemalige Synagoge zu einem musikalisch-literarischen Abend ein, bei dem an die großartigen, verlorenen und zerstörten jüdischen Teile deutscher Kultur erinnert wird.

Um den jüdisch-polnischen Arzt, Kinderbuchautor und Pädagogen Janusz Korczak geht es im Spielfilm "Korczak", der am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr in der ehemaligen Synagoge gezeigt wird. Korczak leitete ein jüdisches Waisenhaus in Warschau. Mit seinen rund 200 Kindern musste er ins Ghetto umziehen. Als die SS 1942 das Ghetto zu räumen beginnt und die Menschen ins Vernichtungslager nach Treblinka deportiert, besteigt Korczak mit seinen Kindern die Güterwaggons – obwohl er sich hätte retten können. Korczak und seiner Pädagogik der Achtung ist auch ein Vortrag mit folgender Diskussion der Korczak-Expertin Dr. Rosemarie Godel-Gaßner gewidmet. Er findet am Samstag, 14. November, 19 Uhr im Mehrgenerationenhaus statt.

 

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