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Gegenaktion mit Herz

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Mit schnellen Sicherheitsmaßnahmen und kreativen Ideen haben die Stadtsiedlung und Bürger auf ausländerfeindliche Schmierereien an vier Gebäuden in Böckingen reagiert.

In der Nacht auf Donnerstag hatten Unbekannte an den alten Gebäuden der Stadtsiedlung in großen schwarzen Buchstaben dumpfe Parolen an Hausfassaden gesprüht. In einem der Häuser ist geplant, nach einer Sanierung rund 60 Flüchtlinge unterzubringen. In den Gebäuden wohnen teilweise noch Menschen, deutsche und ausländische Mieter, unter anderem eine Familie mit einem kleinen Kind. (Fotos Carsten Friese)

Sprüche mit einigen Schreibfehlern wie "Jetzt reichts. Dieses Land wird kaputt gemacht", "Wir haben die Schnautze voll" und "You are not welcome" (Ihr seid nicht willkommen) prangten an den Fassaden. Am Donnerstagabend reagierten Anwohner entsetzt auf die Parolen. Als "ekelhaft und schlimm" wertete Monika Knoll die Sätze, "ketzerisch" sind sie für Markus Rieger.

Polizei verstärkt Präsenz

"Man ist fassungslos, weil es menschenverachtend ist", bewertet Robert an der Brügge, Chef der Stadtsiedlung, das nächtliche anonyme Treiben. Man könne es nicht hinnehmen, dass "Hauswände mit ausländerfeindlichen Parolen beschmiert werden". An der Brügge hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, die Polizei ermittelt derzeit wegen Sachbeschädigung. Zudem hat die Stadtsiedlung einen Sicherheitsdienst beauftragt, der nachts Patrouille läuft. Auch die Polizei wird die Streifenpräsenz in dem Quartier verstärken. In den Tagen zuvor hatten Unbekannte an einem der Gebäude mit Sekundenkleber bereits das Schloss einer Eingangstür beschädigt.

Noch am Donnerstagabend haben Bürger mit pfiffigen Reaktionen auf die Parolen reagiert. Sie überklebten das "not" in dem einen Spruch mit einem großen roten Herz und drehten die Aussage in einen Willkommensgruß um.

"Das hat uns gefreut, das war ein schönes Zeichen", reagierte an der Brügge auf die Courage. Böckinger Bürger hätten zudem am Freitagmorgen angerufen und gefragt, ob sie die Parolen überstreichen sollen. Da hatte die Stadtsiedlung bereits einen Maler beauftragt. Bis zum Nachmittag waren alle Schriftzüge entfernt.

Schockiert

Beunruhigt ist eine 70-jährige Mieterin in einem der Häuser. "Womit muss man jetzt noch rechnen?", fragt sie sich. Im Oktober zieht sie um in ein betreutes Wohnen. Sie ist "froh", wenn es so weit ist. Dass Wachschutz Streife läuft, beruhigt sie etwas. Die Schmierereien empfindet sie als "Schweinerei".

Geschockt war Sozialbürgermeisterin Agnes Christner von den ausländerfeindlichen Sprüchen. Sie hofft, dass die Verursacher gefunden werden. "Glücklicherweise sind die Parolen nicht die Mehrheitsmeinung." Die Hilfsbereitschaft der Heilbronner Bürger für Flüchtlinge in Not lobt sie als "überwältigend".

Bei einer erneuten Streifenfahrt in den frühen Morgenstunden stellten die Beamten am Freitag fest, dass ein weiterer gesprayter Spruch verändert worden war. Unbekannte hatten das Wort "kaputt" in der Parole "Dieses Land wird kaputt gemacht" mit dem Wort "bunter" überklebt.

Zeugen gesucht

Zeugen, die Hinweise zur Aufklärung der Farbschmierereien von Mittwoch auf Donnerstag oder der Beschädigung des Türschlosses geben können, sollen sich beim Polizeiposten Heilbronn-Böckingen unter der Telefonnummer 07131-31388 melden.

 

 

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