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Große Pläne für's Wollhaus

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Strabag und ECE bleiben dran: Die Immobilientochter des Kölner Baukonzerns und der Betreiber von Einkaufszentren wollen an Stelle des Wollhauszentrums aus dem Jahr 1975 in Heilbronn ein neues Innenstadtzentrum bauen: mit einem "lebendigen Marktplatz“ aus Läden, Gastronomie und Wohnungen oder Büros. "Zuversichtlich“ sind Uwe Jaggy, Stuttgarter Direktionsleiter und Geschäftsleitungsmitglied von Strabag Real Estate, und Dr. Jan Röttgers, Direktor der ECE Projektentwicklungsgesellschaft, dass ihr Konzept so viel Überzeugungskraft hat, dass es umgesetzt werden kann.

Erstmals präsentieren die Manager das Konzept und ein Anschauungsbeispiel, wie der Neubau aussehen könnte, die Heilbronner Stimme zeigt es exklusiv. Man sei "im engen Schulterschluss mit der Stadt“, sagt Jaggy. Jetzt wurden Gespräche mit den Rathausfraktionen geführt.

Bebauungsplan

Angestrebt ist eine Bebauungsplanänderung, die auf dem Sanierungsbeschluss des Gemeinderates fußt. Das Ziel: Abriss des Komplexes samt Büroturm 2018 und Neubau des 22 000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassenden Zentrums bis 2020. Die Bundesgartenschau 2019 werde man nicht stören: Ein Zaun werde die Baustelle umgeben. Auch in Koblenz, der letzten Buga-Stadt, haben ECE und Strabag während der Gartenschau ein Shoppingcenter gebaut.

Das neue Wollhaus soll Mode als Schwerpunkt haben mit Namen, "die noch nicht in Heilbronn vertreten sind“, sagt Jan Röttgers. Von der auch von ECE betriebenen "Stadtgalerie“ will man sich unterscheiden. Anders als dort wolle man großflächige Läden schaffen. Namen nennt ECE noch nicht: Bis zu fünf Jahre vor einer geplanten Eröffnung unterschreibe keiner der ins Auge gefassten Handelspartner. Mit dem "gehobeneren Segment“ (Jaggy) spreche man die ganze Familie an.

Mit Unterhaltungselektronik, Sportartikeln und Lebensmitteln wollen die Partner, die auch im "Milaneo“ in Stuttgart zusammenarbeiten, weitere Akzente setzen. Die Handelsfläche soll drei Etagen einnehmen. Ergänzt werden die Läden durch Gastronomie. Das Zentrum wolle "Anlass bieten, in die Stadt zu gehen, sich zu treffen“, so Röttgers.

In den oberen Etagen des höchsten Gebäudeteils wollen die Investoren Büros oder gar Stadtwohnungen anbieten. Der Hochpunkt nehme die umgebenden Höhen auf, erklärt Uwe Jaggy. Wie die Neubebauung tatsächlich aussieht, soll ein Architekturwettbewerb klären.

Offensichtlich aber ist schon jetzt, dass das neue Gebäude näher an die Straße (die Allee geht hier in die Adresse Am Wollhaus über) heranrückt: Die Investoren wollen den bisherigen Busbahnhof überbauen. Dennoch soll ein "üppig breiter Bereich für Fußgänger und Radfahrer“ (Jaggy) zwischen Straße und Neubau geschaffen werden. Die Stadtverwaltung hat Pläne zur Verlegung der Busbuchten schon in der Schublade. Der neue Busbahnhof soll südlich des Wollhauses entstehen. Die marode Fußgängerbrücke soll ebenfalls weichen. Zusätzlich zur jetzigen Tiefgarage werde man 300 unterirdische Stellplätze schaffen.

Mit dem Shoppingcenter stellt sich ECE vor, "Kunden für Heilbronn zu gewinnen, die bisher nach Ludwigsburg oder Stuttgart fahren“, so Röttgers. Damit könne es dem Oberzentrum gelingen, Kaufkraft zurückzuholen, sagt Jaggy.

Angesichts des vorgelegten Konzeptes sieht der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel keinen Grund, "derzeit vom bisherigen Kurs abzuweichen“. Und das heißt: Das Stadtoberhaupt kann sich vorstellen, dass der Gemeinderat die Option für Strabag Real Estate und ECE verlängert. Nach dem Sanierungsbeschluss hatte Heilbronn den beiden Unternehmen den Vorrang gegeben. Im Juni läuft diese Option aus.

Die große Unbekannte aber liegt in den Eigentumsverhältnissen: Zwölf Eigentümer teilten sich bisher das Wollhauszentrum, zehn Anteile hat Strabag inzwischen gekauft. Die zwei verbliebenen aber, Lisker, Lisker und Weiss sowie der dänische Investor Paulsen, weisen darauf hin, dass sie mit 86 Prozent Anteilen am Hauptgebäude Mehrheitseigner sind. Ihnen gehören die zwei Stockwerke mit Ladengeschäften und die Fläche, die bis 20. Februar 2016 ein Kaufhof-Standort war.

In Liskers und Paulsens Namen haben die Projektentwickler Acrest im Juli 2015 ein eigenes Konzept vorgelegt (wir berichteten). Das sieht den Erhalt der Kerngebäude am Wollhaus vor, aber eine Neuaufteilung der Flächen und Neugestaltung der Fassaden – auch des Büroturmes, bei dem Lisker/Paulsen aber nicht Eigentümer sind. Acrest will mehrere Läden mit separaten Eingängen von außen schaffen.

Eine Zusammenarbeit mit Strabag "steht aktuell im Kreise der Mehrheitsgesellschafter nicht zur Diskussion“, teilt Acrest auf Stimme-Anfrage mit. "Wir können nicht ausschließen, dass eine Art der Kooperation oder Beauftragung der Strabag zu einem späteren Zeitpunkt möglich wird“, erklärt Acrest-Projektleiter Peter Lefeber.

Damoklesschwert

Über dem Ganzen hängt "das Damoklesschwert“ (OB Mergel) Normenkontrollklage. Die haben die Alteigentümer mit ihrer Bank gegen die Sanierungssatzung der Stadt eingereicht. Wann sie entschieden wird, ist völlig offen.

Uwe Jaggy erklärt, Strabag sei mit den verbliebenen Alteigentümern "im Gespräch“. Auch wenn die Gesprächspartner "andere Vorstellungen“ hätten, ist Jaggy "zuversichtlich“ bis Ende 2017 das Grundstücksthema abzuschließen. Bei "Entscheidungen zum Gebäude“ komme es "insgesamt auf die Anzahl an und nicht auf den prozentualen Flächenbesitz“.

Satzung

Die Sanierungssatzung vom Dezember 2014 räumt dem Abriss des Bestehenden den Vorzug ein. Sie bringt mit sich, dass die Eigentümer die Geschäftsräume nur mit Genehmigung der Stadt vermieten dürfen. Damit wird verhindert, dass ein Mietvertrag einen Abriss und ein neues Projekt verhindern könnte. Aus Eigentümerkreisen heißt es, dass man an einer kurzfristigen Vermietung der früheren Kaufhofflächen arbeite.

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