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Unsicherheit bei türkischer Bevölkerung

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Sie demonstrierten auf dem Weihnachtsmarkt, dann kamen sie mitten in der Nacht auf dem Kiliansplatz zusammen. Einmal zogen sie auch sonntagnachts über die Allee. In den vergangenen Monaten haben in Heilbronn immer wieder Kurden demonstriert. Sie wollen auf die Kämpfe und die Toten in den kurdischen Gebieten der Türkei aufmerksam machen.

Konflikt

Viele Menschen in Heilbronn fragten sich: Tragen Kurden und Türken den Konflikt aus ihrer Heimat bald auch in Heilbronn aus? Spätestens nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf einen türkischen Supermarkt in Heilbronn machen sich auch viele Türken in der Stadt Sorgen um die Sicherheit.

Die Polizei sieht aber keinen Grund zur Besorgnis. Die Lage habe sich beruhigt, sagt Thomas Nürnberger, Revierleiter des Polizeireviers Heilbronn. Am Mittwochabend traf er sich bei einem runden Tisch mit Vertretern von Moscheevereinen. Zwei Mal im Jahr lädt die Polizei muslimische Gruppen ein, um über aktuelle Themen zu reden.

Eines der drängendsten Themen: "Unter Teilen der muslimischen Bevölkerung herrscht Angst“, sagte ein junger Mann. Das sei auch die Folge der vielen spontanen Demos von Kurden.

Ein weiterer Auslöser sei der Anschlag auf einen türkischen Supermarkt kurz vor Ostern. In einem angeblichen Bekennerschreiben hat sich eine kurdische Gruppe dazu bekannt. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingesetzt. "Ich hoffe jeden Tag, dass sie erfolgreich ist“, sagt Revierleiter Nürnberger. Bisher habe man aber keine heiße Spur, sagt Yvonne Schmierer, Pressesprecherin der Heilbronner Polizei. 

Ermittelt

Nürnberger präsentierte Erfolge seiner Ermittler. Im Januar hatte es am Rande einer Demonstration von Kurden auf dem Heilbronner Kiliansplatz Auseinandersetzungen gegeben. Inzwischen habe die Polizei 25 Verdächtige ermittelt. "Das war aus meiner Sicht sehr erfolgreich“, sagt Nürnberger. Bei 32 weiteren Vergehen suche die Polizei noch nach den Tätern. Einige der Vorwürfe: Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, gefährliche Körperverletzung oder Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.

Den Konflikt zwischen Kurden und Türken in der Stadt wollte Nürnberger aber nicht zu hoch hängen. Es habe zwar mehrere Auseinandersetzungen gegeben, auch eine Demo vor einer Moschee. Doch die letzte Demo liegt schon einige Monate zurück. Dabei habe auch ein zwischenzeitliches Verbot kurdischer Gruppen geholfen, sagte er. Außerdem kämen viele der auffälligen Anhänger kurdischer Gruppen nicht aus Heilbronn. "Wir wissen, dass von auswärts Leute kommen, die aufstacheln wollen.“

Aufklärung

Alle hoffen, dass es keine weiteren Auseinandersetzungen in Heilbronn gibt. "Ich denke auch nicht, dass sich die Menschen wirklich vor weiteren Anschlägen fürchten“, sagte ein Vertreter eines Moscheevereins. "Aber eine Aufklärung des jetzigen Falls ist uns allen wichtig, um uns in Heilbronn sicher zu fühlen“, sagte eine andere Teilnehmerin des runden Tisches. Die Polizei will zeigen, dass sie das ernst nimmt: "Wir sind für die Sorgen sensibilisiert“, sagte Revierleiter Nürnberger. Er sprach deshalb unter anderem von verstärkten Polizeistreifen an Moscheen. Absolute Sicherheit gebe es aber nicht.

Und nicht vor allen Sorgen kann die Polizei schützen. "Nach den Anschlägen in Paris stehen wir Muslime und der Islam oft unter Generalverdacht“, sagte ein Mann im Anschluss. Ihre Kinder müssten sich oft schon in der Schule für Anschläge von Islamisten rechtfertigen. "Dabei wollen wir Muslime ja auch nur friedlich hier leben.“

Nicht eingeladen

Kurdische Gruppen waren zum runden Tisch bei der Polizei nicht eingeladen. "Wir würden gerne mitreden, wenn andere über uns sprechen“, sagt Gülistan Özdemir, Vorsitzende der kurdischen Gemeinschaft in Heilbronn. "Wir fühlen uns auch nicht sicher und hoffen wie alle, dass es friedlich bleibt in Heilbronn.“ Die Polizei erläutert, warum Kurden keine Einladung zum runden Tisch bekommen haben: "Das wäre der falsche Rahmen, um die aktuellen Konflikte zu lösen“, sagt eine Sprecherin. 

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