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Nutria-Familie im Wertwiesenpark

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Die Nager lassen sich nicht stören. In aller Seelenruhe knabbern sie im Teich an einem Grasbüschel – mitten im Wertwiesenpark. Die vorbeilaufende Joggerin wirft nur einen kurzen Blick auf die possierlichen Tiere. Sie ist an den Anblick gewöhnt: Eine Nutria-Familie hat sich in dem Sontheimer Park niedergelassen und teilt sich das kleine Gewässer mit den Stockenten, Teichrallen und Nilgänsen.

Gelassen

Im Heilbronner Grünflächenamt sieht man die neuen Parkbewohner mit Gelassenheit. Und das hat mehrere Gründe: "Nutrias sind ungefährlich für die Funktion von Gewässern und Teichen“, informiert Frank Göhringer. "Im Gegensatz zu Bibern bauen die Tiere ihre Baue oder Schilfnester oberhalb der Wasserlinie.“ Auch Bisamratten können Deiche und Dämme unterhöhlen. Deshalb wertet es Göhringer als positiv, dass Nutrias deren Ausbreitung verhindern, indem sie den Lebensraum besetzen.

Mit Bisamratten, einer Wühlmausart, sind Nutrias schon aufgrund ihrer Größe kaum zu verwechseln. Bis zu 65 Zentimeter lang werden die ursprünglich in Südamerika beheimateten Nager und immerhin acht bis zehn Kilo schwer. Im 20. Jahrhundert wurden die Tiere der Pelze wegen in Europa gezüchtet, einzelne Tiere entkamen oder wurden ausgewildert. Ein unverwechselbares Merkmal bei erwachsenen Tieren sind die orange gefärbten Nagezähne.

Schließlich tragen auch die Nahrungsgewohnheiten dazu bei, dass Nutrias für Menschen harmlos sind: Sie sind Vegetarier und ernähren sich von Blättern, Stengeln und Wurzeln von Wasserpflanzen oder eben von Gras. Auch als Krankheitsüberträger kommen sie nicht in Frage. Der Biologe Gottfried May-Stürmer, BUND-Regionalgeschäftsführer, betrachtet die Ansiedlung mit Interesse: "Nutrias haben eine unbesetzte Nische bei uns gefunden.“ Einer Ansiedlung des heimischen Bibers steht dies nicht entgegen: "Der ist kräftiger und lässt sich nicht vertreiben.“

Allerdings, so der Experte, fehle Bibern das Ausbreitungspotenzial. May-Stürmer hofft, dass sich die scheuen Biber in der Zukunft wieder häufiger in der Region niederlassen. Am unteren Böllinger Bach etwa hat er einen Biber-Damm entdeckt.

Ohne Scheu

Über den Neckar sind die Nutrias in den Wertwiesenpark gelangt. Die erste Begegnung hatte Frank Göhringer bereits im Winter 2015, als "mir ein Nutriaweibchen mit einem Jungen fast direkt vor die Füße lief“. Mittlerweile gibt es viele erstaunte Anrufer im Grünflächenamt, die zunächst Biber im Park vermuten. Die Nutrias haben sich in diesem Jahr vermehrt, sieben Junge hat Göhringer beobachtet. Im Wertwiesenpark sind die Tiere längst eine Attraktion. Es gebe Parkbesucher, die nur wegen der Nutrias dort spazieren gehen. Manche bringen Karotten und Salat mit, und die Tiere sind bereits so zutraulich, dass sie fast aus der Hand fressen.

Auch wenn sich die anpassungsfähigen Nager in dem Tümpel im Park wohlfühlen, "gibt es keine Garantie, dass sie auch dort bleiben“, berichtet May-Stürmer. Auch ein strenger Winter kann die Population rasch wieder dezimieren.

 

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