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Der Bierkrug schließt nach 14 Jahren

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Der Bierkrug in Heilbronn zog Trinker genauso an wie junges Publikum, das nach einer langen Nacht nicht nach Hause wollte. Jetzt schließt die Kneipe.

In diesen Tagen heißt es Abschied nehmen für Willi Hennemann. Abschied nehmen von dem Ort, der in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten sein Mittelpunkt war: der Bierkrug am Heilbronner Hauptbahnhof. Die Kneipe schließt, sie muss schließen. Ende März hatte Dinkelacker-Schwaben Bräu als Zwischenpächter den Vertrag gekündigt. Hennemann hatte zuvor im Februar die Pacht nicht gezahlt, wie er selbst einräumt. Jetzt ist Schluss. "Es tut schon weh nach 14 Jahren", sagt der Wirt.

Hintergründe

Wie konnte es so weit kommen? Für Hennemann waren Umbauarbeiten im ersten Stock über dem Lokal ein Grund, der Lärm habe Gäste verjagt. "Die Kunden sind hier rein gekommen und direkt wieder umgedreht." Der Hauseigentümer, Automaten Schmid aus Heilbronn, verneint eine größere Beeinträchtigung durch die Arbeiten. Auch für die Brauerei liegen die Gründe tiefer. Sie war schon länger "nicht mehr ganz zufrieden mit dem Zahlungseingang", wie Geschäftsführer Bernhard Schwarz der Heilbronner Stimme sagt. "In diesem Jahr war es dann nicht mehr zu kitten." Und in Sachen Umbauarbeiten im Haus sei der Wirt auch nicht auf die Brauerei zugegangen.

Es ist, wie es ist. Die Pacht war für die Schankstätte mit dem kleinen Nebenraum mit Billardtisch und den zwei Quadratmetern Außenbestuhlung, die sich Hennemann mal genehmigen ließ, so nicht mehr zu stemmen.

Bierstube

Der Bierkrug, das war einerseits eine reine Bierstube. Keine pikfeine Bar, sondern eine ehrliche Kneipe mit einer Einrichtung, die manche als urig, andere als nicht mehr zeitgemäß beschreiben. Es war ein Ort, an dem der Wirt vielleicht auch mal zu viel mit den Gästen anstoß.

Der Bierkrug war andererseits aber auch ein Lokal, das junges Publikum anzog. So manche lange Partynacht ging morgens hier in die Verlängerung. Manchmal waren DJs dabei, die in den Stunden zuvor im Mobilat aufgelegt hatten. "Da sind schon zwei Welten aufeinandergeprallt", erzählt Manuel Schuller, der mit anderen die Partyreihe "Whothefuck" organisiert. Die Jungen kamen trotzdem wieder, veranstalteten sogar Konzerte.

Techno und Punkrock in einer Bierkneipe: Das sucht nicht nur in Heilbronn seinesgleichen. Alles in allem kam aber nicht das zahlungskräftigste Klientel in den Laden, das weiß auch Bierkrug-Willi: "Es waren halt einfache Leute." Angestellte von der Bahn von gegenüber, Handwerker, Hartz-4-Empfänger. Und eben die Nachtschwärmer, die morgens noch unterwegs waren.

Bekannt war der Bierkrug auch für den Aufsteller vor der Tür: darauf zu lesen das "Hartz-4-Angebot": Bier und Korn für drei Euro. Bei manchen Stellen der Stadt kam das nicht gut an.

Wie geht's weiter?

Wie es nun weitergeht? "Vielleicht widme ich mich meiner Malerei", sagt Hennemann nachdenklich. Die Bilder an der Wand sind von ihm. Sie stehen zum Verkauf ebenso wie das Inventar: Tische, Stühle, CDs.

Und für das Lokal? "Das Bierkrug-Konzept lief viele Jahre erfolgreich, es soll in dieser Art mit unseren Bierspezialitäten weitergehen. Aber klar: Wir müssen dem Ganzen einen neuen Anstrich verpassen", sagt Bernhard Schwarz.

Struktur

Das Haus, in dem sich der Bierkrug befindet, gehört der Firma Automaten Schmid in Heilbronn. Die Kneipe hat das Unternehmen an Dinkelacker-Schwaben Bräu verpachtet, die das Lokal wiederum an Willi Hennemann weiterverpachtet hatten. Ende August soll Schluss sein. 

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