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Einstimmig für Luise Bronner

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Das Tauziehen mit Stuttgart schien unendlich. Jahrelang rang Heilbronn mit dem Kultusministerium um eine fünfte Realschule. Umso rascher besiegelte jetzt der Gemeinderat mit einem Namen die Eigenständigkeit der bisherigen Außenstelle der Dammrealschule. Sie heißt Luise-Bronner-Realschule. Einstimmig entschieden sich die Gemeinderäte für die aus Heilbronn vertriebene Jüdin und später großzügige Unterstützerin der Realschulen ihrer Heimatstadt.

Sie wären so gern in eine Kennedy-Schule gegangen. Nach der Schülerversammlung im Oktober votierten 100 der rund 250 Realschüler für den Namen, den ihre Schule hatte, als hier noch amerikanische Kinder aus- und eingingen. Der populäre amerikanische Präsident kam ihnen irgendwie bekannt vor, aber wer ist die Luise Bronner?

Zur Überraschung der Heilbronner genehmigte das Kultusministerium im Sommer nicht nur die Realschule, sondern versah sie gleich mit einem Namen. Seit Schuljahresbeginn firmierte sie als "Neue Realschule am Hooverplatz“, ganz unabhängig davon, dass es in der Hoover-Siedlung gar keinen Platz gibt, der so heißt. So wurde die Namensgebung zu einer dringlichen Angelegenheit. Die Stadt bat auch das Stadtarchiv um einen Vorschlag.

Grundschule

Ludwig Pfau, der Heilbronner Märzrevolutionär und Satiriker, kam nicht mehr in Frage. Er hatte für die Grund- und Werkrealschule gestanden, die Grundschule wird weiterhin seinen Namen tragen. Doch agieren die beiden Schulen nicht als Verbundschule, also sollten sie auch nicht denselben Namen im Schilde führen.

Da kam es gelegen, dass der ehemalige Rektor der Helene-Lange-Realschule, Norbert Jung, gerade für die Buchreihe "Heilbronner Köpfe“ an einem Porträt über Luise Bronner feilte. So fiel das Augenmerk sofort auf die amerikanische Germanistik-Professorin aus Heilbronn. Sie hat die Realschulen der Stadt nach ihrem Tod 1999 mit 100.000 Mark bedacht. Sie sollen für Schüleraustausch eingesetzt werden, damit deutsche Jugendliche die USA besser verstehen lernen – und umgekehrt. 2002 gingen die ersten Realschüler auf die Reise.

Vita

Luise Bronner ist am 22. Februar 1912 als zweites Kind des Heilbronner Seifenfabrikanten Berthold Heilbronner geboren. Norbert Jung beschreibt in seinem Köpfe-Aufsatz das Schicksal der jüdischen Familie. Nach dem Abitur am Realgymnasium, dem heutigen Robert-Mayer-Gymnasium, wurde Luise Chemielaborantin und arbeitete bis 1936 in der Seifenfabrik ihres Vaters und seiner Brüder. 1938 gelang es ihr, den Nazis nach New York zu entkommen. Dort war es für Emigranten schwer, Arbeit zu finden, Luise Bronner war bis 1959 Chemotechnikerin. Dann konnte sie – teilweise aus Wiedergutmachungsgeldern – studieren, zuerst Chemie, dann verwirklichte sie ihren alten Traum und wurde Germanistin, promovierte über Mörikes "Maler Nolten“, wurde Professorin an der University of Massachusetts in Boston und – Dichterin. "Sie glaubte an die Menschen, sie glaubte an die Menschheit“, schreibt Jung über Luise Bronner: "Eine Frau mit außergewöhnlicher Stärke und Zuversicht.“ 1958 kam sie zum ersten Mal wieder nach Heilbronn.

 

 

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