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Die Gesichtergalerie

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Kinder aus wie vielen Nationen besuchen die Helene-Lange-Realschule (Hela)? Rektorin Sabine Knapp weiß es nicht auf Anhieb, so selbstverständlich ist das alltägliche Miteinander in ihrer Schule. Ein kurzer Blick in die Statistik sagt: Es sind 27 Staatsbürgerschaften an der Hela. Von Albanien, über Sri Lanka, Thailand und Sudan bis Vietnam sind vieler Herren Länder vertreten.

Eine Ausstellung in der Stadtbibliothek Heilbronn macht diese längst gewohnte Vielfalt sichtbar. "Mit Menschen" heißt die Bilderschau, mit Menschen haben die Schüler und ihre ehemalige Lehrerin Marion Kolb ihre Porträtfotografien gestaltet. Was sie aber zeigen sind Mitmenschen. Mit zur Ausstellung gehört ein Film, den Kunstlehrer Karl May mit Menschen seiner Schule gedreht hat: "Wünsche – was sich Schüler der Hela für 2016 wünschen." Die Antworten der Kinder und Jugendlichen sind denkbar einfach und trotzdem verblüffend.

Wünschefilm

Da stehen sie. Und zählen in ihrer Muttersprache Wünsche auf, die ihnen gerade so einfallen. Melis (14) will, dass ihre Familie gesund bleibt und alle 2016 gut überstehen. Und sie erhofft sich gute Noten. Frieden, Respekt, Harmonie in der Familie, Gesundheit, Gutsein in der Schule, die Wünsche ähneln sich, egal, was die Kinder glauben, welche Gewohnheiten sie haben, woher sie stammen. In einer Endlosschleife (Ton nur über Kopfhörer) läuft der Hela-Schüler-Wünsche-Film in der Stadtbibliothek.

Bis zu den Osterferien bleibt er und bleiben auch die Bilder. Die Schüler-Fotos: 60 von Schülern fotografierte Mitschüler-Porträts. Der Schüchterne, der Souveräne, die Lustige, der Nüchterne, der Verschmitzte – mit kleinen, selbst ausgedachten Titeln lassen sich die so treffend aufgenommenen Mitglieder der Hela-Schulgemeinde beschreiben: Mitmenschen eben.

Offene Blicke

Mitmenschen hat auch Marion Kolb von ihren Reisen mitgebracht. Unvergessliche Augenblicke, das spürt jeder, der die Gesichtergalerie abwandert. Nie würde Kolb jemanden vor die Kamera zerren oder gar heimlich fotografieren. "Das muss sich ergeben", sagt sie einfach: "Durch Augenkontakt." Die Porträtierten fühlen sich von der Fotografin wahrgenommen, begegnen ihr – und damit dem Betrachter – mit offenen Blick. Zugewandt. Selbstbewusst. Eigen.

In sich gekehrt und doch ganz nah bei der Fotografin: die junge Japanerin auf dem Weg zu ihrer Hochzeit. Abwartend und bei sich selbst: die Kirgisin mit den roten Wangen. Wer Zeit hat, liest das Leporello zu den Porträts am besten gleich in der Ausstellung und macht so mit Marion Kolb eine weite Reise von Madagaskar bis in die Mongolei, durch Indien und Italien. Bis man wieder daheim landet und über das Foto von einem Sikh mit strahlend gelbem Turban staunt, aufgenommen Ende Januar an einem mitmenschlichen Ort: der Stadtbibliothek Heilbronn.
 

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