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Ehrgeizige Ziele

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Seit Jahren fährt der Leingartener Michael Sagebiel (47) schon mit dem Rad zur Arbeit nach Heilbronn, fast bei jedem Wetter bewältigt der Diplom-Ingenieur die rund zehn Kilometer lange Strecke zum Telefunkenpark ohne Auto.

Ein Auto in der vierköpfigen Familie reicht, war der gemeinsame Entschluss. Kosten sparen war nicht der Hauptgrund. "Ich möchte fit bleiben", sagt Sagebiel. Und: Die Touren auf dem Rad "tun mir wirklich gut – auch zum Abschalten".

Gut 30 Minuten braucht er im Normalfall für die Strecke. Mit dem Auto ginge es nicht viel schneller. Wenn er bei Starkregen oder Minusgraden und eisigem Ostwind doch mal den Wagen nimmt, merke man, "wie zäh das morgens oder abends auf den Straßen geht", vergleicht er. Da gewinne er kaum Zeit – zumal man ja auch nicht immer einen Parkplatz nahe der Firma findet. In Böckingen hat er schon mal parken müssen – rund ein Kilometer Fußweg kam da noch dazu.

Wie viel Geld er durch wegfallende Kfz-Steuer und Haftpflicht bei einem Auto spart, hat Sagebiel noch nie berechnet. Entscheidend sei für ihn die Bewegung und der Gesundheitsaspekt. Das Radnetz in der Region stuft er als "relativ durchgängig" ein. Was ihn aber ärgert, ist eine Fahrradstraße wie die Badstraße, die parallel zu einem guten Radweg verläuft. Als "Schildbürgerstreich" stuft er dies ein. Das Geld hätte man besser für den Radwegausbau einsetzen sollen. Er fährt dort weiter auf dem sicheren Radweg. Weil Autofahrer sich kaum an die Tempo-30-Vorgabe halten würden.

Michael Sagebiel ist nicht allein. "Immer mehr Menschen steigen vom Auto aufs Fahrrad um, um zur Arbeit zur fahren", ist der Eindruck von Volker Geis. Der Sprecher der Heilbronner Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs hat selbst nie ein Auto besessen, fühlte sich früher als einsamer Rufer in der "Autostadt Heilbronn". Die Kommune sei zwar immer noch "definitiv" eine von Autos dominierte Stadt, "doch es tut sich mittlerweile etwas", erklärt Geis, "die Stadtverwaltung bemüht sich."

Leasing

Heilbronn hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Die Kommune will bis zum Jahr 2025 den Anteil der Radler am Gesamtverkehr auf 15 Prozent steigern. Bei der letzten Erhebung 2007 waren es acht Prozent. Mit mehr als 90 Einzelmaßnahmen wollen die Planer im Rathaus aus Heilbronn eine fahrradfreundlichere Stadt machen. Kernstück dieses Maßnahmenpaktes ist das Routenkonzept, mit dem möglichst hindernisfreie Trassen durch die Stadt ausgewiesen werden sollen. Neu ist die Förderung von Dienstfahrrädern, die ähnlich wie Dienstautos über Leasingfirmen finanziert werden. Etliche Betriebe in der Region beteiligen sich an dem Pilotprojekt.
 

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