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Einen kühlen Kopf bewahren

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Busfahren zu Zeiten des Berufsverkehrs gleicht einem Glücksspiel. Eine Busverbindung früher oder später kann unterscheiden zwischen dichtem Gedränge und Stehplatz oder einem gut gefüllten Bus und einem Sitzplatz.

Christine Lüken kann ein Lied davon singen. Die 25-Jährige fährt an jedem Werktag mit dem Bus. Der 61er, in den sie in Horkheim einsteigt, hat in der Frankenbacher Maihalde um 6.56 Uhr die Fahrt aufgenommen. Stefan Scholz sitzt am Steuer. Für den 31-jährigen Obereisesheimer ist Busfahren nicht nur ein Beruf. "Es ist meine Berufung."

Grenzen

Die Linie 61 führt von Frankenbach über Neckargartach ins Industriegebiet Heilbronn und durch die Innenstadt. Weiter geht’s über Sontheim bis zur Stauwehrhalle nach Horkheim. Dann wieder zurück. Die Fahrten durch den morgendlichen Verkehr Heilbronns meistert Scholz mit Gelassenheit. Dennoch sagt er: "Im Berufsverkehr morgens oder abends kommt man schon an Grenzen." Stress entstehe, wenn er verspätet Haltestellen anfährt und die Passagiere entnervt nach dem Grund fragen.

Für Scholz haben Verspätungen unterschiedliche Ursachen: Haltestellen, die regelmäßig von Autofahrern zugeparkt werden. Oder der Ausweichverkehr in Frankenbach. "Wenn die Autobahn mal wieder dicht ist." Als Nadelöhr macht Scholz die Strecke zwischen Europaplatz und Theater aus. Die Ursache sei die Ampelschaltung. "Dort gibt’s die meisten Probleme. Man verliert Zeit." Es gelte, einen kühlen Kopf zu bewahren. "Ich mach’ mir keinen Stress, den darf man nicht zulassen."

Stress kommt für Christine Lüken aus Horkheim dann auf, wenn ihr Bus übervoll ist. Sie steigt um 7.40 Uhr in der Stauwehrhalle ein. Mit ihren beiden Söhnen fährt sie bis zur Haltestelle Berliner Platz in Heilbronn. Der ältere der beiden Jungs geht dort zur Pestalozzischule. Der Kleine sitzt noch im Kinderwagen. Deshalb sucht Lüken in der Nähe der hinteren Tür nach einem Sitzplatz. Der Ausgang sei oft verstellt. Zu viele Fahrgäste versperren ungewollt den Ausgang. "Größere Busse oder eine andere Taktung zur Hauptzeit wären gut", sagt sie.

Schwerpunkte

Mit solchen Details kennt sich Steffen Müller bestens aus. Er ist Fahrdienstleiter bei den Stadtwerken Heilbronn und teilt Busse ein. "Wir kennen die Schülerzahlen und wissen, wo wir im Berufsverkehr Schwerpunkte haben." Entsprechend werden die Fahrzeuge eingesetzt und die Taktfrequenzen festgelegt.

Dabei handelt es sich nicht um ein starres Gebilde. Man nehme Hinweise von Fahrgästen auf und überprüfe Verbindungen auch. "Nachfragestarke Äste verstärken wir", sagt Müller. Doch die Möglichkeiten seien endlich. Man müsse sich nach den vorgegebenen Kapazitäten richten. "Es ist eine Gratwanderung zwischen Komfort und Wirtschaftlichkeit."

Um den Busverkehr zu optimieren, wünscht sich Scholz günstigere Ampelschaltungen und mehr Busspuren. Und als Fan großer Fahrzeuge sagt er: "Mit einem Gelenkbus tut man sich leichter."
 

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