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Jugendherberge in Gefahr

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Droht der Neubau der Jugendherberge (Juhe) im Heilbronner Neckarbogen zu platzen? Derzeit verdunkelt sich die Großwetterlage für das Projekt. Gründe sind Spannungen zwischen Projektentwickler Kruck + Partner und dem Weingut Drautz-Hengerer wegen der geplanten Wohnbebauung auf dem bisherigen Juhe-Areal an der Schirrmannstraße im Osten der Stadt. Nur wenn das Jugendherbergswerk zeitnah dieses 5500 Quadratmeter große Grundstück verkauft und die baurechtlichen Belange geklärt sind, kann der 3,5 Millionen Euro teure Juhe-Neubau am Rande des Buga-Geländes finanziert werden. Bauherr ist bei beiden Projekten Kruck + Partner.

Widerstand

Viel sagt Jürgen Müller, Inhaber des Weinguts, nicht. Sein Anwesen grenzt direkt an die Jugendherberge: "Wir haben beschlossen, zum jetzigen Zeitpunkt zur geplanten Bebauung nicht Stellung zu nehmen. Zwischenzeitlich haben wir neun Stadträten des Bauausschusses unsere Bedenken mitgeteilt", erklären Jürgen und Christina Hengerer-Müller gegenüber der Heilbronner Stimme. Der Bauausschuss sei das entscheidende Gremium. Eingeschaltet hat das Weingut mittlerweile auch einen Rechtsanwalt. Er soll mithelfen, dass die Wohnbebauung kleiner ausfällt und weiter weg von der Grundstücksgrenze rückt.

Sollte es durch die Einwände zu Verzögerungen beim Baurecht kommen, sieht Joachim Kruck den Neubau im Neckarbogen gefährdet: "Die Jugendherberge stirbt, wenn die Schirrmannstraße nicht läuft. Planungssicherheit muss spätestens im Mai, Juni vorliegen", sagt der Geschäftsführer von Kruck + Partner. Sonst gerate der Bauzeitenplan in Gefahr. Einweihung des neuen Gebäudes soll 2018 sein.

Für den Widerstand des Weinguts hat Kruck kein Verständnis: "Wir sind der Familie Hengerer-Müller weit entgegengekommen und haben schon am 30. Juni 2015 über den Sachstand informiert", erinnert sich Joachim Kruck. Entsprochen habe man der Bitte, das an das Weingut angrenzende Wohngebäude um einen Meter nach Süden zu verschieben. "Der Grenzabstand beträgt jetzt 4,71 Meter. Baurechtlich notwendig sind 2,92 Meter", macht Kruck deutlich. Ein weiteres Abrücken sei nicht möglich, da sonst die komplette Tiefgaragenplanung geändert werden müsse.

Kompromiss

Bei dem umstrittenen Gebäude, einem von insgesamt fünf zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern mit 35 Wohnungen, handelt es sich um ein sogenanntes Lärmschutzhaus mit besonderen Anforderungen. Es ist erforderlich, um das kleine Wohngebiet vom Lärm des Weinguts (Besen, Feste, Kelter) abzuschotten. Die Alternative wäre ein Lärmschutzwall gewesen.

"Wir sind an einer schnellen Einigung interessiert", versichert Kruck. Deshalb seien Anfang des Jahres weitere Zugeständnisse gemacht worden: Wegen des besseren Lichteinfalls für das Weingut werde das Staffelgeschoss des Gebäudes nach Süden gerückt, auf eine drei Meter lange Wand verzichtet und dem Nachbarn bei der Fassadengestaltung ein Mitspracherecht eingeräumt. Zudem hat Kruck + Partner in Aussicht gestellt, dem Weingut die Kosten für ein leiseres Lüftungsgerät zu erstatten. "Ich kann nicht erkennen, dass unser Vorgehen rücksichtslos ist", sagt Kruck.

Anfang der Woche befassten sich Oberbürgermeister Harry Mergel und seine Dezernenten mit dem Problemfall. Christoph Böhmer, Leiter des Planungsamtes, spricht anschließend von einer "sinnvollen Planung" und einer "maßvollen Bebauung". Aus planerischer Sicht sieht er "derzeit keine Hindernisse", die den eingeleiteten Bebauungsplan verhindern könnten und die nicht bewältigbar wären: "Das Verfahren läuft."

 

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